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Coronavirus-Pandemie

Apotheken bei Schutzausrüstung nicht vergessen

Das Problem fehlender Schutzausrüstungen für Beschäftigte in Apotheken, Arztpraxen und Kliniken hält deutschlandweit an. Apotheken fühlen sich nicht ausreichend bedacht.
Anja Köhler
01.04.2020
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Die Apothekenschaft werde diesbezüglich »allzu gern übersehen«, sagte der Präsident der Landesapothekerkammer Brandenburg, Jens Dobbert, am Dienstag. Dabei leisteten die Apotheker mit ihren Mitarbeitern herausragende Arbeit. Sie belieferten Patienten mit dringend notwendigen Medikamenten teilweise bis ans Krankenbett, so Dobbert. Manche Apotheken hätten seit Verhängung der Kontaktsperre in Brandenburg fast 1.000 Botendienste geleistet. Die Kammer vertritt 581 Apotheken in Brandenburg, darunter 13 Krankenhausapotheken.

Es sollte nicht nur an die Ärzte gedacht werden, ergänzte der Sprecher der Kammer, Marcel Uhr. »Spätestens wenn der Arzt ein Rezept ausgestellt hat, geht es zur Apotheke und da fehlt dann der nötige Schutz.« Mitunter müssten sich Mitarbeiter notdürftig behelfen. Auf PZ-Nachfrage sagte Uhr, der Kammer fehle die Berechtigung, selbst Schutzausrüstung für die Apotheken zu bestellen.

Zahlreiche Apotheken produzierten derzeit auch Desinfektionsmittel, für den der Grundstoff Ethanol gebraucht werde, sagte Uhr. Ihn zu beschaffen sei derzeit nicht einfach. Dafür würden momentan Vorräte genutzt. Auch eine Brennerei in Werder stellt seinen Angaben zufolge statt Whisky Alkohol für die Apotheken her. Am Wochenende habe er etwa 1.000 Liter an den Katastrophenschutz Potsdam Mittelmark geliefert, bestätigte Brennerei-Inhaber Michael Schultz. Er destilliert nach eigenen Angaben ansonsten Alkohol für seinen Single Malt.

Zahlreiche Angebote sind unseriös

Mahnende Worte kommen am Mittwoch auch vom Landesapothekerverband Baden-Württemberg. Dieser habe sich mit einem Brief an alle Landräte der Landkreise und an die Oberbürgermeister der kreisfreien Städte gewandt und appelliert, bei der Verteilung von zentral zugelieferter persönlicher Schutzausrüstung auch die Apotheken zu berücksichtigen. »Die Apotheken leisten unverzichtbare Arbeit, derzeit oft über die eigentliche Belastungsgrenze hinaus. Bitte helfen Sie durch die Zuweisung von entsprechender Schutzausrüstung mit, dass diese Versorgungsleistung nicht gefährdet wird.« Insbesondere würden in den Apotheken Atemschutzmasken der Schutzklasse FFP2 oder höher sowie Schutzbrillen benötigt.

Der LAV beruft sich auf Informationen des Ministeriums für Soziales und Integration Baden-Württemberg, wonach eine erste Lieferung von zentral beschaffter persönlicher Schutzausrüstung über ein Logistikzentrum bereits unterwegs in die Stadt- und Landkreise in Bade-Württemberg sei. »Dort soll dann die weitere Verteilung an alle Versorger im Kreis übernommen werden. Die dezentrale Steuerung soll nach Angaben des Ministeriums einen zielgenauen Einsatz des Materials erlauben«, teilt der LAV mit.

Der Verband betont, das Personal in den Apotheken sei unmittelbar dem Kontakt von Covid-19-erkrankten Patienten ausgesetzt und leiste mit seinem Botendienst insbesondere auch für diesen Personenkreis eine Versorgung in die häusliche Quarantäne beziehungsweise bis ans Krankenbett. »Gleichsam muss das Apothekenpersonal dringend vor Ansteckung geschützt werden, um zu verhindern, dass einzelnen Apotheken ausfallen und damit die unverzichtbare Vor-Ort-Versorgung mit Arzneimitteln abreißt«, erklärt LAV-Geschäftsführerin Ina Hofferberth in ihrem Brief.

Nach derzeitigem Stand sei eine Bevorratung insbesondere mit Atemschutzmasken durch die Apotheke selbst schwierig bis nicht gestaltbar. »Uns erreichen zwar täglich rund einhundert Angebote, aber wirklich lieferfähig ist nahezu keiner dieser Anbieter. Zudem werden dabei Einkaufspreise und Bezugskonditionen aufgerufen, die man nicht selten als unseriös beschreiben muss«, so Hofferberth.

LAV-Pressesprecher Frank Eickmann sagte auf PZ-Nachfrage am Mittwoch, dass sich der Verband um einen zentralen Einkauf Masken bemühe. »Aber die Wege sind wirr und mühsam.« Insofern setze der LAV neben Eigenbemühungen auch auf die angekündigte zentrale Versorgung durch das Land.

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