Beim 11. Gesundheitspolitischen Forum in Magdeburg wurden auch die Herausforderungen der Digitalisierung thematisiert. / © Imago Images/Bihlmayerfotografie
Apotheken zählen seit Jahrzehnten zu den Wegbereitern der digitalen Entwicklung: Davon ist Jens-Andreas Münch, Präsident der Apothekerkammer Sachsen-Anhalt, überzeugt. Die Digitalisierung im Gesundheitswesen werde häufig mit dem E-Rezept oder der elektronischen Patientenakte verbunden. »Mit ersten Anfängen bereits in den 1970er-Jahren werden seit Mitte der 1980er-Jahre digitale Bestell-, Informations- und Verwaltungssysteme eingesetzt«, so Münch. In den folgenden Jahrzehnten seien dann digitale Rezeptabrechnung, Arzneimitteldatenbanken, Warenwirtschafts-, Rabattvertragsmanagement- und moderne Fälschungsschutzsysteme hinzugekommen.
Diese Entwicklungen standen im Mittelpunkt des 11. Gesundheitspolitischen Forums am 11. Juni 2026 im Magdeburger Otto-von-Guericke-Zentrum. Dort diskutierten Vertreter aus Politik, Ärzteschaft, Apotheken und Krankenkassen über digitale Gesundheitsprojekte und deren Bedeutung für die Gesundheitsversorgung in Sachsen-Anhalt.
Mit dem E-Rezept sei eine der letzten fehlenden Schnittstellen zwischen Arztpraxis und Apotheke digitalisiert worden. »Millionen von Verordnungen werden heute elektronisch übermittelt, was die Versorgung effizienter, sicherer und transparenter macht. Gleichzeitig tragen digitale Prozesse noch effektiver dazu bei, Fehler in der Arzneimittelversorgung zu vermeiden und Rezeptfälschungen zu verhindern«, erklärte der Kammerpräsident.
Für die Zukunft sieht Münch großes Potenzial in einer stärkeren digitalen Vernetzung der Heilberufe. »Verbesserte Kommunikationswege zwischen Arztpraxen und Apotheken, assistierte telemedizinische Angebote sowie digitale Medikationsmanagementsysteme können die Arzneimitteltherapiesicherheit weiter erhöhen und die Versorgung insbesondere älterer und mehrfach erkrankter Menschen verbessern.«
Apotheken als wohnortnahe Gesundheitsstandorte spielen laut Münch künftig eine wichtige Rolle, etwa als Anlaufstellen für digitale Versorgungsangebote im ländlichen Raum. Gleichzeitig verwies er auf Herausforderungen der Digitalisierung. »So profitieren auch ausländische Versandapotheken vom E-Rezept und konnten ihre Marktanteile im letzten Jahr verdoppeln. Die Vor-Ort-Apotheken verfügen zwar über dieselben technischen Möglichkeiten, unterliegen jedoch anderen rechtlichen Rahmenbedingungen und sind so einem destruktiven, ungleichen Wettbewerb ausgesetzt.«
Die Digitalisierung der Heilberufe dürfe nicht als Wettbewerb, sondern als Chance für eine engere Zusammenarbeit verstanden werden, erklärte der Kammerpräsident. Die Erfahrungen der Apotheken könnten helfen, die Gesundheitsversorgung effizienter, sicherer und patientenorientierter zu gestalten. »Nur durch ein gemeinsames Vorgehen aller Heilberufe kann die Digitalisierung ihr volles Potenzial für die Versorgung der Patientinnen und Patienten entfalten«, warb Münch für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit aller Heilberufe.
Das Papier-Rezept ist ein Auslaufmodell. Mit dem E-Rezept sollen alle Arzneimittel-Verordnungen über die Telematikinfrastruktur abgewickelt werden. Wir berichten über alle Entwicklungen bei der Einführung des E-Rezeptes. Eine Übersicht über unsere Berichterstattung finden Sie auf der Themenseite E-Rezept.