| Lukas Brockfeld |
| 26.06.2026 11:00 Uhr |
Ina Lucas, Sven Simons, Anike Oleski, Marc Kriesten und Judith Brenneis diskutierten über Prävention in Apotheken. / © PZ/Brockfeld
Lange wurde die Medizin vor allem als Reparaturbetrieb verstanden, doch inzwischen rückt das Thema Prävention immer mehr in den Fokus. Dieser Ansatz findet sich auch im Apothekenversorgungs-Weiterentwicklungsgesetz (ApoVWG). Apotheken sollen künftig viele Präventionsangebote wie Tests und Impfungen anbieten dürfen. Doch warum ist die Apotheke ein guter Ort für Prävention? Und welche Chancen bieten dabei neue digitale Technologien?
Für die Debatte beim Hauptstadtkongress waren Ina Lucas (ABDA-Vizepräsidentin), Sven Simons (Phoenix Pharmahandel), Anike Oleski (Inhaberin der Medios Apotheke) und Marc Kriesten (Apotheker und KI-Experte) eingeladen. Die Moderation übernahm die Gesundheitswissenschaftlerin Judith Brenneis.
Die Apotheken sind für viele Menschen der erste Anlaufspunkt bei Fragen von Gesundheit und Prävention. »Prävention betrifft nicht nur gesunde Menschen, sondern auch kranke. Diese Menschen sehen wir jeden Tag in unseren Apotheken, und das ist jedes Mal eine Chance, auf Präventionsangebote hinzuweisen und Gesundheitsinformationen zu vermitteln«, sagte Anike Oleski. Zu viele Menschen würden sich vor allem über soziale Medien zu Gesundheitsthemen informieren. Diesen Einfluss müssten Apotheken und Praxen zurückgewinnen.
Viele Menschen leben heute sehr gesundheitsbewusst und tracken ihre Vitalparameter mit sogenannten Wearables wie zum Beispiel Smartwatches. Apotheken können den Menschen bei der Auswertung dieser Daten helfen. »Hier kann die Apotheke der absolute Mittelpunkt im Gesundheitssystem der Zukunft werden. Sie kann zur Verbindung zwischen den Menschen und einer digitalen Gesundheitsanwendung werden. Die Menschen suchen Orientierung, und da können wir ein guter Ankerpunkt sein. Selbstverständlich immer im Zusammenspiel mit anderen Gesundheitsberufen«, erklärte Ina Lucas.
Marc Kriesten ergänzte, dass neue Technologien wie Wearables zwar tolle Daten generierten, diese aber oft nicht zu nachhaltigen Verbesserungen der Gesundheit führten. »Wenn wir die datengetriebene Prävention und Tests in Mensch-zu-Mensch-Beziehungen wie Coachings einbauen, dann können sie eine echte Wirkung erzeugen«, sagte der Apotheker.
Sven Simons betonte, dass die Apotheken großes Potenzial hätten, um Gesundheitsangebote in die Bevölkerung zu tragen. »Die allermeisten Apotheker und PTA haben sich ihren Beruf ausgesucht, weil sie die Versorgung verbessern und Gesundheit fördern wollen«, sagte er. Doch aktuell gebe es viele Vorgaben und Strukturen, die die Apotheken ausbremsen. »Da muss es ein gesamtgesellschaftliches Umdenken geben, um die Rahmenbedingungen für eine persönliche Gesundheitsversorgung vor Ort auf einem hohen Niveau zu erhalten.«
Ina Lucas wünschte sich, dass die Apotheke in einigen Jahren als selbstverständlicher Anlaufpunkt für routinemäßige Risikoeinschätzungen und Gesundheitsangebote gilt. »Wenn jemand mit seinem Nachbarn spricht und sagt: ›Ich gehe morgen in die Apotheke, nicht weil ich krank bin, sondern weil ich dort eine Dienstleistung bekomme, die mir hilft, gesünder zu leben‹, dann sind wir auf dem richtigen Weg«, sagte die Vizepräsidentin der ABDA.
»Prävention ist für mich dann erfolgreich, wenn die Apotheke in Zukunft der Einstiegspunkt für ein digital vernetztes Gesundheitssystem ist«, ergänzte Marc Kriesten. Er wünsche sich, dass die Patienten in einigen Jahren mit ihren Daten in die Apotheke gehen und dort, schon bevor sie krank werden, Dienstleistungen in Anspruch nehmen. »Dann würden die Menschen in Zukunft deutlich gesünder durchs Leben gehen«, sagte der Apotheker.