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Pflege 
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Apotheken als Kompass für Pflegebedürftige

Seit rund einem Jahr ist Katrin Staffler (CSU) Pflegebevollmächtigte der Bundesregierung. Gegenüber der PZ erläutert sie ihre Pläne im Amt und welche Rolle Apotheken im pflegerischen Versorgungssystem spielen können. 
AutorKontaktPaulina Kamm
Datum 30.04.2026  17:30 Uhr

Trotz aller Reformen und damit einhergehender Sparbestrebungen der Bundesregierung will Katrin Staffler (CSU), Pflegebevollmächtigte der Bundesregierung, »die Bedarfe der Menschen mit Pflegebedarf und deren pflegenden Angehörigen« nicht aus den Augen verlieren, erklärte sie gegenüber der PZ. In ihrer Amtszeit will sie für einen besseren Zugang zur Pflege und eine vereinfachte Bürokratie sorgen. 

Staffler setzt auf Digitalisierung und Zentralisierung der Informations- und Antragswege. »Wichtig ist auch das Zusammenführen von kleinteiligen Leistungen in Budgets, die flexibler einsetzbar sind sowie die Einführung von Case-Management-Strukturen, die Pflegebedürftige aktiv durch das System begleiten«, so Staffler. Case Management wurde in Deutschland laut der Deutschen Gesellschaft für Care und Case Management (DGCC) in den 1980er Jahren bereits implementiert. 

Wege durch das Gesundheitssystem 

Insbesondere der Beginn der Pflegebedürftigkeit sei für viele Betroffene überfordernd, sagte Staffler. Eine Ansprechperson für den Einstieg und bei Bedarf für eine langfristige Betreuung sei empfehlenswert. »Ähnlich wie junge Eltern eine Hebamme haben, die sie in den ersten Monaten begleitet, bräuchten auch pflegende Angehörige eine Art ›Startbegleitung‹«.

Apotheken seien hier geeignete Anlaufstellen: »Sie können bei Fragen zur Arzneimittelversorgung unterstützen, erste Orientierung geben und an weiterführende Angebote vermitteln«.

Allgemein seien die Apotheken hinsichtlich Gesundheitsförderung und Prävention in der Vergangenheit gestärkt worden. »Wir müssen die Potentiale von Prävention und Rehabilitation mehr nutzen, denn diese helfen, dass sich der Gesundheitszustand stabilisiert oder sogar verbessert«, sagte die Pflegebevollmächtigte.

Die Niedrigschwelligkeit der Apothekenversorgung mache die Apotheken auch für die Zukunft unersetzlich. »Aber Apotheken könnten meines Erachtens auch eine bedeutendere Rolle in der Netzwerkarbeit vor Ort einnehmen«, führte sie weiter aus. Der regelmäßige Kontakt zur Kundschaft und das Wissen über regionale Versorgungsstrukturen müsse hier effizienter genutzt werden.

Staffler: Apotheken sollen Impfungen vor Ort durchführen 

Zusätzlich zur Lotsenfunktion spricht sich Staffler für Impfungen in Apotheken aus. »Für eine gute Impfquote und den einfachen Zugang zu einer Schutzimpfung sollten möglichst viele Apotheker diese vor Ort durchführen«, so Staffler. Besonders vulnerablen Gruppen, wie exemplarisch Pflegebedürftigen, sei so geholfen.

Das ausschlaggebendste Potenzial für die interdisziplinäre Zusammenarbeit von Pflege und Apotheken sehe Staffler in der Digitalisierung: »Mit der Einführung des E-Rezepts und der Möglichkeit der sicheren Kommunikation innerhalb der Telematikinfrastruktur kann die Versorgung der Patienten mit Arzneimitteln deutlich effizienter und besser gestaltet werden«, erklärte sie. Dies entlaste insbesondere ambulante Pflegekräfte, vereinfache die Arbeit der Apotheken und erhöhe dadurch Arzneimittelsicherheit und Versorgungsqualität. 

Finanzierungsprobleme 

Hinsichtlich der Finanzierung qualitativ hochwertiger Versorgung habe die Politik einiges erreicht: »Die Vergütung im Bereich der Pflege ist nun gut, im Bereich der Apotheken gibt es sicherlich noch Handlungsbedarf«. Zur Realität gehöre ihrer Ansicht auch, dass das Gesundheitssystem finanziert werden müsse. Die Bevollmächtigte warnt, dass dies nicht auf Kosten Pflegebedürftiger geschehen dürfe. 

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