| Johanna Hauser |
| 28.05.2026 15:00 Uhr |
Vermeintliche Qualitätsmängel entpuppen sich manchmal schlicht als Anwendungsfehler. Im Fall von Trockensäften ist dies in der Regel eine von den Herstellerangaben abweichende Zubereitung. / © Getty Images/ArtistGNDphotography
Antibiotikatrockensäfte müssen vor Anwendung suspendiert werden. Geschieht dies nicht gemäß Anweisung, mindert dies die Wirksamkeit. Die 45 der Arzneimittelkommission der Deutschen Apotheker gemeldeten Beanstandungen ließen sich jedoch auf Handhabungsfehler zurückführen.
So wurden zwischen 2019 und heute 45 Beanstandungen zum Präpart Cefaclor AL TS Pulver zur Suspension in den Stärken 125 mg und 250 mg bei der AMK gemeldet. Das Problem: Es sei zur Bildung von Agglomeraten gekommen, Bodensätze seien nicht vollständig suspendierbar und es bildeten sich Klumpen an den Gefäßwänden. In einem Fall sei deswegen eine Antibiotikatherapie unterbrochen, in zwei Fällen sei es zu einer verminderten Wirkung gekommen.
Die Firma habe die Mängel von eingesandten Reklamationsmustern nicht bestätigen können, heißt es in der aktuellen AMK-Meldung. Auf Bitte der AMK bezog das Zentrallabor Deutscher Apotheker (ZL) mehrere Packungen über den Großhandel, stellte die Suspensionen selbst her und untersuchte das Ergebnis. Nach ordnungsgemäßer Rekonstitution nach Gebrauchsinformation (Pulver aufschütteln, mit kaltem Wasser bis zur Markierung auffüllen, sofort kräftig schütteln, erneut bis zur Markierung auffüllen und nochmals schütteln) konnte das ZL keine Auffälligkeiten feststellen. Es bestätigte, dass keine herstellerbedingten Qualitätsprobleme vorliegen.
Als Gegenprobe prüfte das ZL aber auch Abweichungen vom vorgesehenen Zubereitungsprozess. Dabei wurde das Pulver zunächst gezielt durch mehrmaliges Aufklopfen verdichtet. Und siehe da, das Pulver ließ sich nicht vollständig benetzen. Ein erheblicher Teil verblieb – auch nach fünfminütigem kräftigem Schütteln – als festhaftender Bodensatz, der auch nach einer zweiten Wasserzugabe bestehen blieb.
Die Untersuchung zeigt, wie wichtig es ist, die jeweilige Anweisung des Herstellers zur Suspendierung von Antibiotikatrockensäften genau zu befolgen. Nur so ist gewährleistet, dass eine ausreichende Menge Antibiotikum aufgenommen wird und gleichzeitig die Gefahr der Bildung von Resistenzen minimiert wird.
Abschließend bittet die AMK darum, dass Apotheker die Patienten gegebenenfalls bei der Zubereitung unterstützen mögen. Verdachtsfälle von Arzneimittelrisiken, einschließlich (potenzieller) Medikationsfehler, können online unter www.arzneimittelkommission.de gemeldet werden.