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Alirocumab

Antikörper senkt Sterblichkeit

Der Lipidsenker Alirocumab hat eine Zulassungserweiterung in der EU bekommen. Der Antikörper darf nun zur Verminderung des kardiovaskulären Risikos bei Patienten mit atherosklerotischer kardiovaskulärer Erkrankung eingesetzt werden. Er senkt massiv die LDL-Cholesterol-Werte im Blut.
Brigitte M. Gensthaler
20.03.2019
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Unter dem Überbegriff »atherosklerotische kardiovaskuläre Erkrankung« wird eine Ansammlung von Plaque in den Arterien verstanden, die zu einer Verringerung des Blutflusses und einer Reihe schwerer Erkrankungen wie Schlaganfall, periphere arterielle Verschlusskrankheit und akutes Koronarsyndrom (ACS) einschließlich Herzinfarkt und instabiler Angina pectoris führen kann. Alirocumab wird entweder begleitend zu einer Statintherapie eingesetzt oder als Monotherapie bei Patienten, die Statine nicht vertragen oder für die diese Wirkstoffe nicht geeignet sind. Alirocumab kann die LDL-Cholesterol-Spiegel massiv senken (Praluent® Injektionslösung in einem Fertigpen, Sanofi).

Die neue EU-Zulassung basiert auf den Daten der Phase-III-Studie »Odyssee Outcomes«, meldet Hersteller Sanofi. Untersucht wurde der Effekt von Alirocumab bei knapp 19.000 Patienten, die ein bis zwölf Monate (Median 2,6 Monate) vor Studieneinschluss ein akutes Koronarsyndrom erlitten hatten. Sie waren auf eine maximal tolerierbare Statindosis eingestellt. Die Studie wurden 2018 im Fachmagazin »New England Journal of Medicine« veröffentlicht.

Die Patienten wurden im Median 2,8 Jahre behandelt. Etwa 90 Prozent hatten eine hoch intensive Statintherapie. Sie erhielten zusätzlich randomisiert entweder Placebo oder Alirocumab (75 mg oder 150 mg) als Injektion alle zwei Wochen, um die LDL-Cholesterol-Spiegel zwischen 25 und 50 mg/dl (0,65 und 1,29 mmol/l) zu halten. Der primäre Endpunkt war Auftreten von MACE (Major Adverse Cardiovascular Events), das heißt KHK-bedingter Tod, nicht-tödlicher Herzinfarkt, jeglicher Schlaganfall oder Hospitalisierung wegen instabiler Angina Pectoris.

Alirocumab reduzierte das relative Risiko für MACE signifikant um 15 Prozent. Ein solches Ereignis trat bei 903 Patienten (9,5 Prozent) in der Verumgruppe und bei 1052 Patienten (11,1 Prozent) in der Placebogruppe auf. Die Gesamtsterblichkeit sank um 15 Prozent (334 Todesfälle, 3,5 Prozent, in der Alirocumab-Gruppe versus 392 Todesfälle, 4,1 Prozent). Der Nutzen des Antikörpers war bei Patienten mit LDL-Ausgangswerten über 100 mg/dl größer als bei solchen mit niedrigeren Ausgangswerten. Unerwünschte Ereignisse waren vergleichbar in den Gruppen, abgesehen von Lokalreaktionen an der Injektionsstelle bei Alirocumab.

Der humane Antikörper hemmt die Bindung von PCSK9 (Proproteinkonvertase Subtilisin/Kexin Typ 9) an den LDL-Rezeptor und erhöht damit die Anzahl der LDL-Rezeptoren auf der Leberzelloberfläche. In der Folge wird LDL-Cholesterol massiv gesenkt. Laut Sanofi ist es der einzige in der EU zugelassene PCSK9-Inhibitor, für den in einer Endpunktstudie eine Reduktion der Gesamtsterblichkeit nachgewiesen wurde.

 

DOI: DOI: 10.1056/NEJMoa1801174

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