| Daniela Hüttemann |
| 08.04.2026 18:00 Uhr |
Fluvoxamin trug in einer brasilianischen Studie zur Besserung von Fatigue-Symptomen und Erhöhung der Lebensqualität bei Long-Covid-Patienten bei. / © Getty Images/Catherine McQueen
In die Studie wurden 399 Menschen an 22 Orten in Brasilien eingeschlossen, die ambulant wegen einer Post-Covid-bedingten moderaten bis schweren Fatigue behandelt wurden. Primärer Endpunkt war eine Verbesserung auf der Fatigue Severity Scale (FSS), einer Punkteskala von 1 (mild) bis 7 (schwer), nach 60 Tagen. Dabei sollen die Patienten neun Aussagen bewerten, zum Beispiel »Die Erschöpfung behindert mich an der Ausführung bestimmter Aufgaben und Pflichten«. Eingeschlossen wurden Patienten mit einem FSS-Score ≥ 4. Zu den sekundären Endpunkten gehörten auch eine Verbesserung der Lebensqualität und der Behandlungseffekt 90 Tage nach Studienbeginn.
Über 60 Tage erhielt ein Drittel der Patienten zweimal täglich 100 mg des Antidepressivums Fluvoxamin, ein Drittel bekam zweimal täglich 750 mg Metformin und das restliche Drittel ein entsprechendes Placebo. Die beiden Wirkstoffe wurden ausgesucht, da sie in anderen Studien unter anderem ein antientzündliches Potenzial bei SARS-CoV-2-Infektionen gezeigt hatten, schreibt das internationale Studienteam um Erstautor Dr. Gilmar Reis von der McMaster University in Hamilton, Ontario, Kanada, und der Pontifícia Universidade Católica de Minas Gerais in Belo Horizonte, Minas Gerais, Brasilien.
Unter Fluvoxamin sank der FSS-Score im Mittel um 0,43 Punkte gegenüber Placebo in den 60 Behandlungstagen. Der Effekt hielt bis Tag 90 (dem Studienendpunkt) an und verstärkte sich sogar auf –0,58. Das 95-Prozent-Konfidenzintervall lag zwischen −0,98 und −0,16. Ein höherer Anteil der mit Fluvoxamin behandelten Teilnehmenden erreichte an den Tagen 60 und 90 einen FSS-Wert unter 3. Auch die Lebensqualität verbesserte sich mit höherer Wahrscheinlichkeit. Metformin zeigte dagegen keinen klinischen Unterschied zum Placebo.
Über Nebenwirkungen wurde am häufigsten in der Placebogruppe berichtet (29,7 Prozent), gefolgt von Metformin (28,8 Prozent) und Fluvoxamin (20,0 Prozent).
Das Studienteam hält daher Fluvoxamin für ein mögliches, gut verträgliches Mittel bei Long-Covid-Patienten mit Fatigue. »Dies sollte zu weiteren Untersuchungen in einem breiter angelegten, phänotypbasierten therapeutischen Rahmen führen«, folgern die Autoren im Fachjournal »Annals of Internal Medicine«. Zukünftige Studien sollten standardisierte Bewertungen von Depressionen und Angstzuständen zu Studienbeginn und bei der Nachuntersuchung sowie Entzündungs- und Stoffwechselbiomarker einbeziehen, um die Wirkmechanismen zu klären und die Untergruppen zu identifizieren, die am ehesten davon profitieren dürften.
Erst vergangene Woche hatte der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) die Off-Label-Verordnung zulasten der Gesetzlichen Krankenversicherung für vier Wirkstoffe bei bestimmten Long-Covid-Symptomatiken gestattet, darunter Metformin zur Prophylaxe von Long/Post-Covid, nicht aber zur Behandlung einer Fatigue. Dafür ist Agomelatin nun eine Option sowie Vortioxetin bei kognitive Beeinträchtigungen und/oder depressiven Symptomen. Viertes Mittel ist Ivabradin bei kardialen Beschwerden.
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