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ARZNEISTOFFE

Ivabradin|Procoralan®|53|2006

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STOFFGRUPPE
53 Kardiaka
WIRKSTOFF
Ivabradin
FERTIGARZNEIMITTEL
Procoralan®
HERSTELLER

Servier Deutschland

MARKTEINFÜHRUNG (D)
01/2006
DARREICHUNGSFORM

5 mg Filmtabletten
7,5 mg Filmtabletten

Indikationen

Procoralan ist zugelassen zur symptomatischen Behandlung der chronischen stabilen Angina pectoris bei Patienten mit normalen Sinusrhythmus, die Betablocker nicht vertragen oder bei denen diese kontraindiziert sind, sowie in Kombination mit einem Betablocker bei Patienten, die mit einer optimalen Betablocker-Dosis nur unzureichend eingestellt sind.

 

Procoralan ist außerdem bei chronischer Herzinsuffizienz der NYHA-Klasse II bis IV mit systolischer Dysfunktion indiziert, bei Patienten mit einer Herzfrequenz über 75 Schlägen pro Minute, in Kombination mit Standardtherapie einschließlich Betablockern oder wenn Betablocker kontraindiziert sind oder nicht vertragen werden.

Wirkmechanismus

Ivabradin hemmt selektiv und spezifisch den If-Ionenstrom, wodurch ausschließlich die Herzfrequenz um etwa zehn Schläge pro Minute gesenkt wird. Weder das Reizleitungssystem noch die Herzmuskelkraft werden beeinflusst. Im Gegensatz zu Betablockern senkt Ivabradin die Herzfrequenz sowohl in Ruhe als auch unter Belastung, ohne eine negative Inotropie oder Vasokonstriktion zu bewirken.

Anwendungsweise und -hinweise

Die empfohlene Anfangsdosis beträgt zweimal täglich 5 mg Ivabradin, die morgens und abends während der Mahlzeiten eingenommen werden sollte. Abhängig vom Ansprechen kann die Dosis nach drei bis vier Wochen auf zweimal täglich 7,5 mg erhöht, bei dauerhaften Absinken der Herzfrequenz auf unter 50 Schläge pro Minute auf zweimal täglich 2,5 mg reduziert werden.

 

Nach peroraler Einnahme wird der Arzneistoff schnell und fast vollständig resorbiert. Maximale Plasmaspiegel werden nüchtern nach etwa einer Stunde erreicht. Eine gleichzeitige Nahrungsaufnahme verzögert die Resorption um etwa eine Stunde. Um intraindividuelle Unterschiede zu vermeiden, wird daher die Einnahme während der Mahlzeiten empfohlen.

Wichtige Wechselwirkungen

Ivabradin wird weitgehend in der Leber und im Darm über Cytochrom P450 3A4 (CYP-3A4) metabolisiert. Der aktive Hauptmetabolit ist das N-demethylierte Derivat. Der If-Blocker wird mit einer effektiven Halbwertszeit von elf Stunden eliminiert.

 

Kontraindiziert ist die gleichzeitige Anwendung von starken CYP-3A4-Inhibitoren wie Azol-Antimykotika (Ketoconazol, Itraconazol), Makrolid-Antibiotika (Clarithromycin, Erythromycin per os, Josamycin, Telithromycin), HIV-Protease-Hemmern (Nelfinavir, Ritonavir) und Nefazodon. Da Grapefruitsaft die Ivabradin-Exposition um das Zweifache erhöht, sollte der Genuss von Grapefruitsaft vermieden werden. CYP-3A4-Induktoren wie Rifampicin, Barbiturate, Phenytoin und Johanniskraut können die Ivabradin-Exposition und seine Wirksamkeit herabsetzen. Die gleichzeitige Einnahme von CYP-3A4-induzierenden Arzneimitteln kann daher eine Anpassung der Ivabradin-Dosis erforderlich machen.

Nebenwirkungen

Häufigste Nebenwirkung in den Studien zu Ivabradin war eine Erkrankung der Augen. Da der Netzhautstrom Ih stark dem If-Strom des Herzens ähnelt, kann Ivabradin auch hier Effekte haben. So berichteten 14,5 Prozent der Patienten von so genannten Phosphenen, das heißt von lichtbedingten visuellen Symptomen, die sich als eine verstärkte Helligkeit in einem begrenzten Areal des Gesichtsfeldes äußerten. Bei mehr als Dreiviertel der Betroffenen (77,5 Prozent) verschwanden die visuellen Symptome während der Behandlung, bei weniger als 1 Prozent führten sie zum Therapieabbruch. Wie sich eine Langzeitbehandlung über ein Jahr auf die Funktion der Netzhaut auswirkt, ist bislang nicht bekannt. Bei Patienten mit Retinitis pigmentosa ist Vorsicht angebracht. Eine schwere Bradykardie trat bei 0,5 Prozent der Patienten auf. Insgesamt wird die Therapie mit Ivabradin bislang als sicher angesehen.

Kontraindikationen und Vorsichtsmaßnahmen

Die Liste der Kontraindikationen ist lang. Dazu gehören akuter Myokardinfarkt, instabile oder akute Herzinsuffizienz und schwere Leberinsuffizienz. Ebenfalls kontraindiziert sind die gleichzeitige Anwendung von starken CYP-3A4-Hemmern (wie Ketoconazol, Clarithromycin oder Ritonavir) und moderaten CYP-3A4-Hemmern mit herzfrequenzsenkenden Eigenschaften (wie Verapamil und Diltiazem) sowie die Anwendung in Schwangerschaft und Stillzeit.

Bei Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der sonstigen Inhaltsstoffe ist das Arzneimittel kontraindiziert.

Studien

Die Zulassung von Ivabradin basiert auf vier doppelblinden randomisierten Studien, in denen die antianginöse und antiischämische Wirkung von Ivabradin mit Placebo, Atenolol und Amlodipin verglichen wurde. Insgesamt nahmen an den Studien 3222 Patienten mit chronischer stabiler Angina pectoris teil, 2168 von ihnen erhielten Ivabradin. Im Vergleich zu Placebo verringerte der If-Kanalblocker in einer Dosis von 5 oder 7,5 mg zweimal täglich signifikant die Anzahl Angina-pectoris-Anfälle. Verglichen mit einmal täglich 100 mg Atenolol oder zweimal täglich 10 mg Amlodipin konnte für zweimal täglich 5 oder 7,5 mg Ivabradin in zwei großen kontrollierten Studien eine vergleichbare Wirksamkeit nachgewiesen werden. Auch hier vergrößerte Ivabradin die Dauer einer schmerzfreien Belastbarkeit, reduzierte die Zahl der Angina-pectoris-Episoden und verlängerte die Zeit bis zum Auftreten von Ischämiezeichen im Belastungs-EKG. Die Unterschiede im Vergleich zu den beiden Referenzsubstanzen waren statistisch nicht signifikant.

Hintergrundinfos

Der sogenannte Funny-Kanal (If) ist ein unspezifischer Ionenkanal in den Schrittmacherzellen des Sinusknotens. Der bei einer Öffnung induzierte Ioneneinstrom steuert im Sinusknoten die spontane Depolarisation, die entscheidend die Herzfrequenz reguliert. Da in den Schrittmacherzellen des Sinusknotens die Depolarisation rascher als in den übrigen Zellen des Erregungsleitungssystems erfolgt, wird der Rhythmus der Herzaktion normalerweise von diesen Zellen bestimmt (aktueller Schrittmacher). Wird der If-Kanal blockiert, sinkt die Herzfrequenz. Dadurch besteht bei Patienten mit Angina pectoris die Möglichkeit, den myokardialen Sauerstoffverbrauch zu senken und den koronaren Blutfluss infolge einer verlängerten Diastole zu steigern.

Besonderheiten

Bei der Lagerung von Procoralan sind keine besonderen Bedingungen einzuhalten.
Procoralan ist verschreibungspflichtig.

Formeln

Ivabradin

Ivabradin

Die dreidimensionale Strukturformel können Sie mit einem kostenlosen Zusatzprogramm aus dem Internet, zum Beispiel Cortona von Parallelgraphics, ansehen (externer Link).

ivabradin.wrl

Weitere Hinweise

Procoralan ist während der Schwangerschaft und Stillzeit kontraindiziert.

Letzte Aktualisierung: 28.01.2016