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Antibiotika erhöhen Darmkrebsrisiko – ein bisschen

Die Autoren werten ihre Ergebnisse als Beleg dafür, dass eine ausgedehnte Antibiotikaeinnahme tatsächlich über die Beschädigung des Darmmikrobioms zur Krebsentstehung beitragen könne. Hierfür spreche das beobachtete erhöhte Risiko im proximalen Teil des Kolons, wo die Bakteriendichte deutlich höher sei als im distalen Kolon und im Rektum. Normalerweise ist Krebs im linken, hinteren Teil des Kolons und im Rektum häufiger als im rechten. Untermauert wird die These der Dysbiose als Krebsauslöser auch von einer weiteren Analyse, die die Forscher vornahmen: Bei Personen, die aufgrund häufiger Harnwegsinfekte den in Deutschland nicht gebräuchlichen Wirkstoff Methenamin einnahmen, der zwar harnwegsdesinfizierend, aber nicht antibiotisch wirkt, war kein erhöhtes Darmkrebsrisiko feststellbar.

Als Erklärung dafür, dass vor allem Frauen bei häufigem Antibiotikagebrauch seltener ein Rektumkarzinom entwickelten, vermuten die Forscher eine mögliche Besiedelung dieses Darmabschnitts mit Chlamydien. Diese sexuell übertragbare Harnwegsinfektion könne bei Frauen aufgrund der anatomischen Nähe häufiger als bei Männern auf das Rektum übergreifen. Chlamydien hätten ein malignes Potenzial und könnten im Rektum persistieren – wenn sie nicht durch Antibiotika beseitigt würden.

Alles in allem sollte diese Studie Patienten, die aus gutem Grund ein Antibiotikum verordnet bekommen, jedoch nicht davon abhalten, es auch anzuwenden. »Es gibt absolut keinen Anlass zur Besorgnis, bloß weil man ein Antibiotikum eingenommen hat«, betont Seniorautorin Dr. Sophia Harlid in einer Mitteilung der Universität. Der Risikoanstieg sei gering und das absolute Risiko des Einzelnen werde nur wenig beeinflusst. Im Rahmen des Darmkrebsscreenings könnten zudem Tumoren früh entdeckt und möglicherweise bereits im Vorstadium entfernt werden.

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