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Delegiertenversammlung Berlin

Analog, aber mit Abstand

Zum ersten Mal seit Ausbruch der Coronavirus-Pandemie fand gestern Abend eine Delegiertenversammlung der Apothekerkammer (AK) Berlin statt – mit großem Abstand zwischen den Delegierten. Kammerpräsidentin Kemmritz blickte mit Dank zurück auf Geleistetes und mit Mut nach vorn.
Annette Rößler
16.06.2020
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Um den Sicherheitsabstand von 1,5 Metern zwischen den Delegierten einzuhalten, war die Kammer für die Sitzung extra in einen größeren Saal umgezogen. Der regen Diskussion tat das keinen Abbruch, im Gegenteil: Es gab viele Wortmeldungen und durchaus kontroverse Positionen zu den verschiedenen Punkten der Tagesordnung. Zu Beginn gedachten die Delegierten aber zunächst mit einer Schweigeminute des kürzlich verstorbenen Ehrenvorsitzenden der AK Berlin Klaus Stürzbecher. Er war 24 Jahre lang (von 1975 bis 1999) Präsident der Kammer gewesen und zwischen 1981 und 1996 zudem ABDA-Präsident. Stürzbechers Anliegen sei es stets gewesen, den Apothekerberuf als Heilberuf mit Leben zu füllen und dies wolle man weitertragen, sagte die amtierende Kammerpräsidentin Dr. Kerstin Kemmritz.

In ihrem Bericht ging Kemmritz auf die Aktivitäten der Berliner Kammer während der Coronavirus-Krise ein. »Die Informationspolitik hatte für uns allerhöchste Priorität«, sagte die Präsidentin. Um die notwendigen Informationen so schnell wie möglich an die Kollegen weiterzugeben, sei der Kammernewsletter teilweise zwei- bis dreimal pro Woche versandt worden. Die Kammer richtete laut Kemmritz auf der Homepage frühzeitig einen eigenen Bereich für Mitteilungen zu SARS-CoV-2 ein. Zudem halfen sonntägliche Webinare dabei, Informationen weiterzugeben und Fragen aus der Praxis aufzunehmen.

Breiten Raum habe die Herstellung von Desinfektionsmitteln eingenommen. Hier habe der Gesetzgeber extrem schnell reagiert und die rechtlichen Voraussetzungen geschaffen, die Apotheken die Herstellung von Desinfektionsmitteln ermöglichten. Dennoch habe es in der Praxis viele Detailfragen gegeben, die geklärt und kommuniziert werden mussten, damit Apotheken diesen wichtigen Beitrag zur Versorgung mit den benötigten Desinfektionsmitteln leisten konnten. Hierfür und auch für ihren weiteren Einsatz während der Krise dankte Kemmritz allen Apothekenteams: »Wir alle sind Helden des Alltags geworden und haben Erfahrungen gemacht, die man sich nicht hätte träumen lassen. Dafür möchte ich mich ganz herzlich bedanken.«

Erweiterte Kompetenzen

Mit der SARS-CoV-2-Arzneimittelversorgungsverordnung hat die Bundesregierung die Möglichkeiten der Apotheker beim Austausch nicht verfügbarer Arzneimittel stark erweitert. Den Pharmazeuten ist jetzt nicht nur beim Aut-idem-Austausch mehr erlaubt als sonst, sondern zudem unter bestimmten Voraussetzungen auch ein Aut-simile-Austausch. Wohlgemerkt: Dies geschah nicht aus Anlass der grassierenden Lieferengpass-Problematik, die die Apotheker bekanntlich schon länger beklagen, sondern um während der Pandemie die notwendigen Gänge zur Apotheke und damit die Zahl der Kontakte zu reduzieren. Deshalb sind die erweiterten Kompetenzen auch zeitlich auf die Dauer der Pandemie begrenzt.

»Diese Punkte wollen wir aber alle, denke ich, gerne behalten«, sagte Kemmritz. »Es sind Sachen, die wir als Pharmazeuten generell machen können und machen wollen und die natürlich auch der besseren Versorgung dienen.« Sie schlug deshalb vor, dass die Delegiertenversammlung sich mit einer Resolution für die Beibehaltung der erweiterten Kompetenzen der Apotheker auch über die Coronavirus-Krise hinaus aussprechen solle. Generell fand dieser Vorschlag Zustimmung, doch wurde zunächst an der genauen Formulierung gefeilt. Schließlich beauftragte die Delegiertenversammlung den Kammervorstand, zusammen mit dem Berliner Apothekerverein eine solche Resolution auszuformulieren, über die dann abgestimmt werden solle.

Im Folgenden diskutierten die Delegierten die Möglichkeit, Versammlungen wie die gestrige künftig digital abzuhalten. Während des Lockdowns hatten die meisten Anwesenden Erfahrungen mit Digitalkonferenzen sammeln können, die den Berichten zufolge nicht immer positiv ausgefallen waren. Eine digitale Delegiertenversammlung kommt deshalb für die Mehrheit der Delegierten nicht infrage. Der Vorstand wurde jedoch damit beauftragt, herauszufinden, welche anderen Versammlungsformate der Kammer sich für die Verlegung in den digitalen Raum eignen.

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