| Theo Dingermann |
| 04.02.2026 18:00 Uhr |
Sport ist besonders effektiv, wenn verschiedene Bewegungsformen, zum Beispiel Krafttraining und Laufen, kombiniert werden, zeigt eine aktuelle Studie. / © Getty Images/FreshSplash
Ein Forscherteam um Dr. Han Han vom Department of Nutrition an der Harvard T H Chan School of Public Health in Boston untersuchte auf Basis zweier großer prospektiver US-Kohortenstudien, der Nurses’ Health Study und der Health Professionals Follow-Up Study den Zusammenhang zwischen langfristiger körperlicher Aktivität, einzelner Bewegungsformen, der Vielfalt körperlicher Aktivität und der Gesamt- sowie einer ursachenspezifischen Mortalität. Dazu wurden insgesamt mehr als 111.000 zunächst gesunde Erwachsene über einen Zeitraum von mehr als 30 Jahren beobachtet. Unter anderem wurden die Freizeitaktivitäten dieser Personen wiederholt und mithilfe validierter Fragebögen im Zweijahresrhythmus erfasst. Während der mehr als 2,4 Millionen Personenjahre traten knapp 39.000 Todesfälle auf. Etwa ein Viertel dieser Todesfälle waren kardiovaskulär bedingt.
Ihre Ergebnisse publizierten die Forschenden im Fachjournal »BMJ Medicine«. Zunächst bestätigen die Analysen die gut etablierte inverse Beziehung zwischen dem Gesamtumfang körperlicher Aktivität und der Mortalität. Diese Beziehung ist allerdings nicht linear, was zwar unter Experten bekannt war, den einzelnen Hobbysportler aber überraschen könnte. So zeigt sich der größte Zugewinn an Überlebensvorteil beim Übergang von sehr niedriger zu moderater Aktivität, während der Nutzen bei höheren Trainingseinheiten abflacht – also quasi eine Sättigung eintritt.
Für kardiovaskuläre, onkologische und respiratorische Todesursachen wurde ein Nutzenplateau ab etwa 20 MET-Stunden pro Woche beobachtet. MET ist das Akronym für »Metabolic Equivalent Task« (stoffwechseläquivalente Aktivitäten). Der errechnete MET-Wert für eine bestimmte Aktivität entspricht dem Stoffwechselumsatz geteilt durch den Ruheumsatz – er gibt also die Intensität der Aktivität an.
Die ermittelten MET-Werte, die verschiedene Aktivitäten vergleichbar machen, unterstreichen, dass bereits vergleichsweise moderate Aktivitätsniveaus mit substanziellen gesundheitlichen Vorteilen einhergehen.
Über den Gesamtumfang hinaus analysierten die Forschenden detailliert neun gängige Bewegungsformen, darunter Gehen, Laufen, Radfahren, Schwimmen, Treppensteigen, Rudern beziehungsweise Gymnastik, Rückschlagspiele (Tennis Squash oder Raquetball) sowie Krafttraining. Für nahezu alle Aktivitäten, mit Ausnahme des Schwimmens, zeigte sich eine signifikante Assoziation mit einer geringeren Gesamtmortalität.
Wiederum zeigten sich nichtlineare Dosis-Wirkungs-Beziehungen mit spezifischen Schwellenwerten, jenseits derer kein zusätzlicher Nutzen mehr erkennbar war. Besonders konsistent waren die Effekte für Gehen, Laufen, Rückschlagsportarten, Krafttraining und Rudern, während die Ergebnisse für Radfahren und insbesondere für Schwimmen heterogener ausfielen. Für die überraschenden Befunde, die für Schwimmen erhalten wurden, diskutieren die Forschenden methodische Erklärungen, etwa eine stärkere Fehlklassifikation der tatsächlichen Intensität beim Schwimmen.
Ein zentrales Ergebnis der Arbeit ist, dass Kombinationen von Sportarten besonders effektiv sind. Das ermittelten die Forschenden, indem sie einen einfachen Varietätsindex in ihre Untersuchungen einführten, mit dessen Hilfe die Anzahl unterschiedlicher regelmäßig ausgeübter Aktivitätsformen erfasst wurde. Tatsächlich erwies sich der Aktivitätsmix als eigenständiger Prädiktor für Langlebigkeit. Studienteilnehmer mit der höchsten Aktivitätsvielfalt wiesen eine um rund 19 Prozent niedrigere Gesamtmortalität auf, die auch erhalten blieb, wenn die körperliche Aktivität für den Gesamtumfang adjustiert wurde.
Aber nicht nur die allgemeine Sterblichkeit, sondern auch die Mortalität durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs und Atemwegserkrankungen waren signifikant reduziert. Modellvergleiche zeigten, dass die Berücksichtigung der Aktivitätsvielfalt die Erklärungskraft statistischer Modelle gegenüber solchen, die nur den Gesamtumfang berücksichtigen, deutlich verbesserte.
Besonders aufschlussreich sind die gemeinsamen Analysen von Aktivitätsmenge und -vielfalt. Innerhalb jedes Aktivitätsniveaus war eine höhere Vielfalt mit einer geringeren Mortalität assoziiert, ohne Hinweise auf statistische Interaktionen. Dies spricht dafür, dass unterschiedliche Bewegungsformen komplementäre physiologische Anpassungen fördern, etwa kardiorespiratorische Fitness, Muskelkraft, metabolische Regulation oder Knochengesundheit.
Somit zeigt die Studie, dass es nicht nur darauf ankommt, wie viel sich ein Mensch bewegt, sondern auch, wie vielfältig er sich bewegt, wenn Rückschlüsse auf die langfristige Gesundheit gezogen werden sollen. Das kann man schon als einen Paradigmenwechsel in der Bewegungsprävention einstufen, mit der Konsequenz, dass bei einer Präventionsberatung nicht nur dahingehend motiviert werden sollte, das Gesamtaktivitätsniveau zu steigern, sondern dass explizit auch auf die regelmäßige Ausübung verschiedener Bewegungsformen, und nicht nur zwischen Ausdauersport und Muskeltraining, hingewiesen werden sollte, um einen optimalen gesundheitsrelevanten Nutzen zu erzielen.