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Tumormedizin

Alpelisib bei Brustkrebs bald im Handel

Novartis kündigt an, das Alpelisib-haltige Medikament Piqray® voraussichtlich Anfang September auf den deutschen Markt zu bringen. Die Firma hat die Zulassung von der EU-Kommission für das Brustkrebsmittel gerade erhalten.
Sven Siebenand
30.07.2020  17:00 Uhr
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Alpelisib darf in Kombination mit dem Antiestrogen Fulvestrant zur Behandlung von postmenopausalen Frauen und Männern mit Hormonrezeptor-positiven /HER2-negativem lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem Brustkrebs mit einer PIK3CA-Mutation bei Fortschreiten der Erkrankung nach endokriner Therapie angewendet werden. Es wird oral eingenommen und soll in Form von 50-, 150- und 200-mg-Filmtabletten in den Handel kommen. Die empfohlene Dosis beträgt 300 mg Alpelisib einmal täglich (zwei 150-mg-Tabletten). Beim Auftreten von Nebenwirkungen kann die Dosis reduziert werden.

Die Phosphoinositid-3-Kinase (PI3K) reguliert einen wichtigen Stoffwechselweg im Körper. Wenn er überaktiv ist, kann das Tumorwachstum beschleunigt werden. Die Kinase besteht aus einer regulatorischen und einer katalytischen Untereinheit, wobei es von letzterer vier Isoformen gibt. Das PIK3CA-Gen codiert für die Alpha-Isoform. Kommt es in diesem Gen zur Mutation, nimmt das PIK3CA-Protein die Eigenschaften eines Onkoproteins an, in dem es sich permanent in der aktivierten Alpha-Isoform befindet. An diese Struktur bindet Alpelisib und blockiert so die Funktion des Proteins. Die Phosphorylierung nachgeschalteter PI3K-Ziele, einschließlich jene der Proteinkinase B, die an der zellulären Proliferation beteiligt sind, wird damit gehemmt.

 Bei etwa 40 Prozent der Hormonrezeptor-positiven/HER2-negativen (HR+/HER-) Brustkrebspatienten im fortgeschrittenen Stadium tritt die PIK3CA-Mutation auf. Ob Patienten mit HR+/HER2- fortgeschrittenem Mammakarzinom für die Behandlung mit Alpelisib infrage kommen, entscheidet das Ergebnis eines validierten Tests in Primärtumor-, Metastasen- oder Plasmaprobe auf PIK3CA-Mutationen.

Basis für die Zulassung sind die Ergebnisse der Phase-III-Studie SOLAR-1. In dieser konnte die Kombination aus Alpelisib und Fulvestrant im primären Endpunkt das mediane progressionsfreie Überleben im Vergleich zur Fulvestrant-Monotherapie beim HR+/HER2- Brustkrebs im fortgeschrittenen Stadium mit Tumoren, die eine PIK3CA-Mutation aufwiesen, signifikant verlängern (11,0 Monate versus 5,7 Monate).

Die Liste der Nebenwirkungen ist leider lang. Als häufigste Grad-3/4-Nebenwirkungen wurden ein Anstieg des Plasmaglucosespiegels (39 Prozent), Hautausschlag (19 Prozent), Zunahme der γ-Glutamyltransferase (12 Prozent), Abnahme der Lymphozytenzahl (9 Prozent), Durchfall (7 Prozent) und Zunahme der Lipase (7 Prozent) beobachtet.

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