| Melanie Höhn |
| 24.02.2026 17:00 Uhr |
Wolfgang Große Entrup, Hauptgeschäftsführer des Verbands der Chemischen Industrie (VCI), begrüßt die »rote Linie« des Supreme Court: »Auch in der Handelspolitik endet politische Willkür am Rechtsstaat. Das ist ein deutliches Stoppsignal gegen eine Zollpolitik nach Gutsherrenart. Doch Entwarnung gibt es nicht«, sagte er gegenüber der PZ. »Für unsere Unternehmen beginnt jetzt keine Phase der Stabilität, sondern eine neue Runde der Unsicherheit. Wer glaubt, damit sei der Zollkonflikt erledigt, irrt. Neue Zölle sind jederzeit möglich, wie Trumps schnelle Ankündigung zeigt. Das handelspolitische Chaos bleibt.«
Derzeit sei die Verunsicherung erneut groß. Umso wichtiger sei es, dass die USA und die Europäische Union ihre nächsten Schritte mit kühlem Kopf und im engen Austausch miteinander planen. Ziel müssen praktikable und verlässliche Lösungen sein, so der VCI.
Zölle und Handelskonflikte würden pharmazeutische Unternehmen grundlegend unter Druck setzen – oft auch indirekt über die Lieferketten, erläuterte der Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie (BPI) der PZ. Würden Vorprodukte, Hilfsstoffe oder Verpackungsmaterialien teurer werden, habe dies unmittelbare Auswirkungen auf Produktion und Versorgung. »Für die medizinische Versorgung ist entscheidend: Arzneimittel, Medizinprodukte, Kombiprodukte sowie Tierarzneimittel und veterinärmedizintechnische Produkte dürfen nicht zum Spielball von Handelskonflikten werden«, so der Verband.
Nach wie vor halte der BPI einen fairen Umgang unter Handelspartnern für unerlässlich. Alle politischen Bemühungen müssten daher weiterhin darauf abzielen, die strukturellen Risiken ernst zu nehmen, globale Liefer- und Handelsbeziehungen dauerhaft abzusichern und damit den Pharmastandort Europa resilienter zu gestalten. Dazu gehöre auch eine gezielte Reform der Preisbildungsmechanismen hierzulande. In Deutschland gebe es über 30 verschiedene Preisregulierungsinstrumente, erklärte der Verband. Vor allem das erst vor kurzem verlängerte Preismoratorium und eine Vielzahl an gesetzlichen Herstellerabschlägen belaste pharmazeutische Unternehmen.
Arzneimittel und Medizinprodukte für Mensch und Tier sowie ihre Vorprodukte, Hilfsstoffe und Komponenten müssten gänzlich aus Handelskonflikten ausgenommen sein, fordert der BPI. »Denn hinter jeder versorgungsrelevanten Entscheidung stehen Patientinnen und Patienten, die auf eine verlässliche Gesundheitsversorgung angewiesen sind. Und pharmazeutische Unternehmen müssen Rahmenbedingungen vorfinden, unter denen sie das sicherstellen können«, hieß es weiter. »Was unsere Industrie braucht, sind Planungssicherheit, innovationsfreundliche Rahmenbedingungen am deutschen und europäischen Standort sowie einen politischen Kompass, der die Gesundheitsversorgung als strategisches Gut begreift.« Gesundheit dürfe niemals zum »Kollateralschaden wirtschaftspolitischer Maßnahmen werden – weder durch Zölle noch durch internationale Preisdiktate.«