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Hirnstoffwechsel
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Akuter Stress behindert klares Denken 

Akuter Stress verschlechtert unsere Fähigkeit, Gedächtnisinhalte miteinander zu verknüpfen – und so neue Schlüsse zu ziehen. Eine Studie hält die Ergebnisse für den pädagogischen, juristischen und klinischen Bereich für relevant.
AutorKontaktJohanna Hauser
Datum 18.06.2026  07:00 Uhr

Um im Kopf neue Informationen aufzubauen, muss das Gehirn miteinander verwandte Ereignisse im Gedächtnis integrieren. Dieser Vorgang ist essenziell, um Wissen zu bilden, das über direkte Beobachtung hinausgeht und flexible Schlussfolgerungen ermöglicht.

Die Flexibilität beruht vor allem darauf, dass das Gehirn in der Lage ist, unterschiedliche Erfahrungen mit sich überlappenden Elementen zu verknüpfen und so Sachverhalte abzuleiten. Insbesondere der Hippocampus ist für diese Integrationsarbeit von zentraler Bedeutung. Zugleich weist er eine besonders hohe Dichte an Rezeptoren für Stressmediatoren wie Glukokortikoide auf.

Inwiefern akuter Stress diese Prozesse des Gedächtnisses beeinträchtigen kann, untersuchte eine Forschungsgruppe um den Kognitionspsychologen Kai A. Schüren von der Universität Hamburg. Die 121 Teilnehmenden lernten zunächst Paare von Informationen (A–B). Am darauffolgenden Tag lernten sie neue Paare – mit Überschneidungen zu denen vom Vortag (B–C). Daraus sollten sie später indirekte Zusammenhänge erkennen (A–C Schlüsse). So lässt sich aus den Paaren »Freund → Roller« und »Roller → Bibliothek« die Schlussfolgerung ableiten: »Freund ist in der Bibliothek«.

Während eine Gruppe dies in vollkommener Ruhe erledigen durfte, setzten die Forschenden die andere Gruppe vor dem Lernen der neuen Paare (B–C) akutem Stress aus: einem Probe-Vorstellungsgespräch, das als Goldstandard in der experimentellen Stressforschung gilt.

Stress trennt Erinnerungen

Gestresste Personen konnten deutlich schlechter indirekte Zusammenhänge (A–C) erkennen. Das lag nicht etwa daran, dass sie die einzelnen Paare schlechter gelernt hätten. Das Problem, so die Forschenden, lag im Verknüpfen der Erinnerungen, nicht am Erinnern an sich. Das Gehirn behandelt infolge des Stresses die Erfahrungen eher als isolierte Ereignisse, anstatt sie miteinander zu verbinden.

Die im Fachjournal »ScienceAdvances« veröffentlichten Ergebnisse deuten darauf hin, dass Stress beim Lernen neuer Informationen (B–C) deren Verknüpfung mit bestehenden Erinnerungen (A) erschwert – und damit die kognitive Flexibilität einschränkt. Gerade dieser Prozess hängt jedoch entscheidend von der Wiederaktivierung bestehender Erinnerungen im Hippocampus ab, die notwendig ist, um Wissen zu vernetzen.

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