| Melanie Höhn |
| 28.04.2026 11:35 Uhr |
Auch der Branchenverband Pro Generika erwartet nach aktuellem Stand keine unmittelbaren Auswirkungen auf die Versorgung im Zuge des Iran-Krieges. »Generika-Unternehmen verfügen in der Regel über Lagerbestände von vier bis acht Wochen oder mehr«, erklärte eine Sprecherin des Verbands auf PZ-Nachfrage.
Kurzfristige Störungen könnten zwar zunächst abgefedert werden. Bei anhaltenden geopolitischen Spannungen wachse jedoch das Risiko, dass Transportverzögerungen und Kostensteigerungen diese Puffer zunehmend aufzehren.
Gleichzeitig steige der Druck auf zentrale Logistik- und Lieferketten deutlich. Dazu zählen insbesondere reduzierte Luftfrachtkapazitäten, längere Transportzeiten auf See, Containerengpässe, Hafenüberlastungen sowie steigende Energie-, Treibstoff- und Versicherungskosten. »Hinzu kommen Rückwirkungen auf Vorprodukte und Rohstoffe. Unternehmen berichten bereits von Belastungen bei Lösungsmitteln und petrochemisch abgeleiteten Materialien für die Wirkstoffproduktion in Indien«, so die Sprecherin weiter.
Wie konkret sich der Druck auf Lieferketten bereits auswirken kann, zeige sich in einzelnen betroffenen Ländern: Im Oman seien die Kosten für temperaturgeführte Transporte um über 500 Prozent gestiegen, die Transitzeiten hätten sich von 45 auf bis zu 130 Tage verlängert. »Der aktuelle Konflikt macht erneut deutlich, wie verwundbar wir sind. Ob Handelskonflikte, kriegerische Auseinandersetzungen oder Pandemien – all das hat das Zeug, unsere Versorgung zu gefährden«, warnt Bork Bretthauer, Geschäftsführer von Pro Generika.
Die aktuelle Lage zeige erneut, wie fragil unsere Versorgung sei. »Seit der Corona-Pandemie wissen wir, wie verletzlich unsere Lieferketten sind – wie gefährlich unsere Abhängigkeit von China. Wenn wir die Versorgung wirklich resilient machen wollen, brauchen wir Rahmenbedingungen, die diversifizierte Lieferketten und Produktion in Europa möglich machen. Und die gibt es nach wie vor nicht«, so Bretthauer zur PZ.