| Annette Rößler |
| 05.04.2026 08:00 Uhr |
Pro Woche sollten schwangere Frauen 150 Minuten sportlich aktiv sein – das sind zweieinhalb Stunden. Die meisten erreichen dieses Ziel jedoch nicht. / © Adobe Stock/Kalim
Schwanger – und nun? In die Freude über eine Schwangerschaft mischt sich bei vielen Frauen schnell eine große Unsicherheit. Was darf ich jetzt noch essen? Wie soll ich mich verhalten, um gesund durch die Schwangerschaft zu kommen? Darf ich weiter Sport machen?
Die letzte Frage ist in den allermeisten Fällen mit Nachdruck zu bejahen. »Regelmäßige körperliche Aktivität in der Schwangerschaft gilt heute als sicher und medizinisch empfehlenswert«, lautet die klare Botschaft eines Artikels, den Dr. Maria Trattner und Privatdozent Dr. Florian Rieder 2025 im Fachjournal »Gynäkologie in der Praxis« veröffentlichten (DOI: 10.1007/s41974-025-00376-8).
Als positive Effekte von Sport für die Schwangere und das Kind zählen die Gynäkologin und der Sportmediziner auf: eine Reduktion des Risikos für Gestationsdiabetes, Präeklampsie, übermäßige Gewichtszunahme und psychische Beschwerden, die Linderung von Rückenschmerzen und Schlafproblemen, ein günstigeres Geburtsgewicht des Kindes, niedrigere Frühgeburtenraten sowie bessere Werte im Apgar-Index, mit dem lebenswichtige Körperfunktionen von Neugeborenen beurteilt werden.
Wie viel Frauen in der Schwangerschaft zunehmen sollten, hängt auch davon ab, wie hoch ihr Ausgangs-BMI ist. / © Adobe Stock/Studio Romantic
Eine Schwangerschaft stellt für den mütterlichen Stoffwechsel einen Stresstest dar. Infolge der hormonellen Umstellung verändert sich auch der Glucosestoffwechsel: In der zweiten Schwangerschaftshälfte kommt es zu einer vorübergehenden Insulinresistenz, wodurch die Blutzuckerwerte steigen. Für den wachsenden Fetus ist das gut, denn er wird dadurch besser versorgt. Für die Frau kann dies jedoch bedeuten, dass die Schwelle zum Gestationsdiabetes (GDM) überschritten ist. Faktoren, die das GDM-Risiko erhöhen, sind neben einer familiären Prädisposition unter anderem ein höheres Alter, eine südostasiatische oder afrikanische ethnische Abstammung, ein hoher Body-Mass-Index (BMI) sowie eine Mehrlingsschwangerschaft.
Regelmäßige Bewegung ab dem ersten Trimenon senkt das Risiko für einen GDM laut einer 2018 im »British Journal of Sports Medicine« erschienenen Metaanalyse um 38 Prozent. Derselben Analyse zufolge reduziert regelmäßiger Sport in der Schwangerschaft auch das Risiko für schwangerschaftsbedingte Bluthochdruck-Erkrankungen wie Gestationshypertonie (um 39 Prozent) und Präeklampsie (um 41 Prozent). Die Pathogenese hypertensiver Schwangerschaftskomplikationen unterscheidet sich von der des GDM, ein gemeinsamer Risikofaktor ist aber eine Adipositas.
Hier kommt ein weiterer wichtiger Aspekt ins Spiel: Frauen, die in der Schwangerschaft sportlich aktiv sind, nehmen weniger stark zu als inaktive Frauen. Das ist besonders bei Schwangeren mit Adipositas relevant, denn für sie wird eine deutlich geringere Gewichtszunahme im Verlauf der Schwangerschaft empfohlen als für normalgewichtige Frauen (Tabelle).
| BMI-Kategorie | BMI (kg/m²) | Zunahme gesamt (kg) | Zunahme pro Woche* (kg) |
|---|---|---|---|
| Untergewicht | <18,5 | 12,5 bis 18 | 0,44 bis 0,58 |
| Normalgewicht | 18,5 bis 24,9 | 11,5 bis 16 | 0,35 bis 0,5 |
| Übergewicht | 25 bis 29,9 | 7 bis 11,5 | 0,23 bis 0,33 |
| Adipositas | >30 | 5 bis 9 | 0,17 bis 0,27 |
In der Schwangerschaft sind werdende Mütter besonders empfänglich für Ratschläge zu einer gesunden Lebensführung. / © Getty Images/SDI Productions
Übergewicht und Adipositas sind keine Kontraindikationen für Sport in der Schwangerschaft, im Gegenteil. Gerade Frauen, die vorher inaktiv waren, sollten als Schwangere in Bewegung kommen. In dieser Zeit seien Frauen besonders offen für gesundheitsfördernde Maßnahmen – ein »window of opportunity«, das gezielt genutzt werden sollte, betonen Trattner und Rieder. Mit guten Ratschlägen allein sei es aber nicht getan. Inaktive Frauen bräuchten konkrete Einstiegshilfen, etwa standardisierte, angeleitete Bewegungseinheiten oder auch digitale Formate wie telemedizinisch begleitete Programme oder Fitness-Apps speziell für Schwangere.
Die Befürchtung, dass durch Sport das Risiko für eine Frühgeburt steigen könnte, ist unbegründet. Tatsächlich ist das Frühgeburtsrisiko für normalgewichtige Frauen durch Bewegung in der Schwangerschaft nicht erhöht, während es für übergewichtige und adipöse Frauen sogar sinkt. Das belegen zwei Metaanalysen aus dem Jahr 2016 (DOI: 10.1016/j.ajog.2016.06.014 und 10.1111/aogs.13087).