| Annette Rößler |
| 05.04.2026 08:00 Uhr |
Obgleich es überwiegend also darum geht, zu mehr Bewegung zu ermuntern, gibt es auch Konstellationen, in denen schwangere Frauen sich tatsächlich körperlich schonen sollten. Absolute Kontraindikationen für sportliche Aktivität sind eine ungünstige Lage der Plazenta (Placenta praevia), eine dokumentierte Zervixinsuffizienz, ein verfrühter vorzeitiger Blasensprung oder Wehenbeginn, andauernde vaginale Blutungen, eine manifeste Präeklampsie, eine fetale Wachstumsrestriktion, höhergradige Mehrlinge und instabile kardiopulmonale Erkrankungen der Mutter.
Als relative Kontraindikationen nennen Trattner und Rieder schwere Anämie, restriktive Lungenerkrankungen, einen schlecht eingestellten Diabetes mellitus, Schilddrüsenerkrankungen, Essstörungen und Adipositas Grad III. Dann sei eine individuelle Nutzen-Risiko-Abwägung angezeigt. Ziel müsse sein, durch eine Modifikation der Aktivität möglichst viele Schwangere in Bewegung zu halten, ohne Risiken einzugehen.
Folgende Warnzeichen sollten Schwangere kennen, bei ihrem Auftreten jede körperliche Aktivität sofort beenden und ihren Frauenarzt aufsuchen:
Nach der Entbindung müssen sich gedehnte Strukturen zunächst zurückbilden und Wunden verheilen, bevor die Frau wieder voll in den Sport einsteigen kann. Erste leichte Beckenbodengymnastik ist nach einer unkomplizierten Geburt aber bereits ab dem dritten Tag möglich. Ein Rückbildungskurs wird ab sechs Wochen nach der Entbindung empfohlen, nach einem Kaiserschnitt nach sechs bis acht Wochen. Die Rückbildungsgymnastik ist wichtig für den Wiederaufbau der (Bauch)Muskulatur nach der Schwangerschaft.
Wie schnell die Belastung gesteigert werden kann, sei dabei individuell unterschiedlich, sagte Sulprizio in einem anderen Podcast mit den Spitzensportlerinnen Gesa Krause (Leichtathletik) und Edina Müller (Parabasketball und Parakanu). Beide hatten ihr Training sehr schnell nach der Geburt ihrer Kinder wieder aufgenommen – in enger Abstimmung mit ihren Gynäkologen. Ärztlicher Rat und Entscheidungen im Einzelfall seien für die richtige Dosierung der Belastung entscheidend, so Sulprizio. Und: auf den eigenen Körper zu hören. Im Hochleistungssport seien Athletinnen es gewöhnt, »sich zu quälen«; sie müssten daher besonders für mögliche Warnsignale des Körpers sensibilisiert werden, um es nicht zu übertreiben.
Eine Motivation für Sport beziehungsweise angepasste Bewegung nach der Entbindung ist für viele Frauen auch, dass sie ihr Ausgangsgewicht wieder erreichen möchten. Dies sollte etwa 12 bis 18 Monate nach der Geburt der Fall sein. Da die Versorgung eines Säuglings inklusive Stillen jedoch einen Vollzeitjob darstellt, gilt es, Bewegung in den Alltag zu integrieren.