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Fünf Monate HIV–Selbsttest

Aids–Hilfe empfiehlt ausschließlich Tests mit CE–Prüfzeichen

Seit fünf Monaten dürfen HIV–Selbsttests in Deutschland in Apotheken und Drogerien frei verkauft werden. Es seien nur Tests zu empfehlen, die das CE–Prüfzeichen der Europäischen Union haben und für die Anwendung durch Laien in Europa zugelassen sind, darauf weist die Deutsche Aids-Hilfe hin. 
dpa
PZ
04.03.2019
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Wie andere Testverfahren auch weist der Selbsttest nicht HIV direkt nach, sondern Antikörper dagegen. Da sich diese erst nach einiger Zeit bilden, kann der Test erst zwölf Wochen nach einer möglichen Übertragung eine Infektion sicher ausschließen. Die Deutsche Aids-Hilfe betont aber auch, dass die Selbsttests so empfindlich sind, dass sie manchmal »überreagieren«. Das Ergebnis müsse daher immer mit einem Labortest bestätigt werden. Nach Schätzungen des Robert-Koch-Instituts wissen rund 11.200 Menschen bundesweit nichts von ihrer HIV-Infektion.

Der HIV–Selbsttest lässt sich einfach zu Hause durchführen: Dabei wird etwas Blut aus der Fingerkuppe abgenommen und in eine Testapparatur gegeben. Nach etwa 15 Minuten wird das Ergebnis angezeigt. Die Hemmschwelle, sich beim Hausarzt oder dem Gesundheitsamt auf den Aids-Erreger HIV testen zu lassen, ist für viele Menschen noch immer groß. »Sie schämen sich zum Beispiel oder fürchten, für ihr sexuelles Verhalten verurteilt zu werden«, erklärte ein Sprecher der Deutschen Aids-Hilfe. Wer dennoch überprüfen lassen möchte, ob er sich infiziert hat, hat es seit Oktober 2018 leichter. Seitdem sind HIV-Selbsttests in Deutschland für rund 25 Euro in Apotheken und Drogerien erhältlich.

Besondere Situation im Saarland

Das Angebot wird beispielsweise im Saarland bislang sehr unterschiedlich genutzt. Apothekerin Yasmin Hassan aus der Stadtapotheke in Saarbrücken musste die Tests gerade erst wegen des Interesses ihrer Kundschaft nachbestellen. »Viele HIV–Patienten gehen nicht in ihre Dorf-Apotheke, sondern kommen ganz bewusst zu uns«, sagte Hassan. Der Präsident der Apothekerkammer des Saarlands, Manfred Saar, hatte hingegen in seiner Apotheke in Heusweiler in den vergangenen fünf Monaten noch keine einzige Nachfrage. Das hänge wohl damit zusammen, dass das Angebot noch nicht so bekannt sei und die Zielgruppe im ländlichen Raum eher klein. Grundsätzlich hält er das Angebot aber für eine »gute, relativ einfache und niederschwellige Möglichkeit«. Im Saarland gab es bei HIV-Tests bislang eine Besonderheit: Die Grenznähe hatten Bürger aus dem Südwesten dazu genutzt, den Test in Frankreich zu besorgen. Frank Kreutzer, Geschäftsführer der Aids-Hilfe Saar, begrüßt, dass es das Angebot nun auch in Deutschland gibt.

Die Deutsche Aids-Hilfe hofft, dass sich durch den Selbsttest mehr Menschen testen lassen und so mehr Infektionen frühzeitig festgestellt und behandelt werden können. Laut Aids-Hilfe erkranken jedes Jahr in Deutschland mehr als 1.000 Menschen an Aids oder einem schweren Immundefekt, obwohl dies vermeidbar wäre. »Der Selbsttest trägt dazu bei, dass hoffentlich vielen das erspart bleibt«, sagte Sprecher Holger Wicht. 

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