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Studie

AfD-Wähler sind öfter Narzissten

Wähler der AfD und der Linken zeigen eine überzogene Selbstliebe und sind häufig sehr von sich selbst überzeugt. Das haben Psychologen der Universität Leipzig herausgefunden. Dafür befragten sie mehr als 2000 Wahlberechtigte nach ihren Parteipräferenzen und ihrem Selbstbild.
dpa
13.12.2018
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Wer am Wahltag sein Kreuz bei der AfD oder der Linken macht, besitzt häufiger ein übersteigertes Selbstbewusstsein als Wähler anderer Parteien. Das ist das Ergebnis einer Studie mit dem Titel »Die Parteien und das Wählerherz 2018«, für die Psychologen der Universitäten Leipzig und Ulm zwischen November 2017 und Februar 2018 bundesweit rund 2100 Wahlberechtigte befragt haben.

Die Probanden sollten nicht nur angeben, mit welcher politischen Partei sie sympathisieren, sondern auch verschiedenen Aussagen zustimmen oder sie ablehnen, die Hinweise auf eine narzisstische Persönlichkeit geben. Dazu gehörten Aussagen wie »Ich habe es verdient, als große Persönlichkeit angesehen zu werden« oder »Mit meinen besonderen Beiträgen schaffe ich es, im Mittelpunkt zu

stehen«.

Wer mit der AfD oder der Linken sympathisierte, stimmte diesen Aussagen besonders häufig zu. Auf der Narzissmus-Skala der Forscher erreichten die AfD-Wähler den höchsten Wert. Die Anhänger der Linkspartei lagen etwas dahinter. Den geringsten Hang zum Narzissmus attestieren die Autoren den Wählern von FDP und SPD. Im Mittelfeld lagen die Anhänger der Grünen und der Unionsparteien.

Unter Narzissmus versteht man übersteigerte Selbstliebe und Ichbezogenheit. »Die AfD-Wähler sind sehr von sich überzeugt«, sagte Studienautor Elmar Brähler von der Abteilung für Medizinische Psychologie und Soziologie der Uni Leipzig der Deutschen Presse-Agentur. »Viele von ihnen denken, dass sie den Durchblick haben und etwas Besonderes sind«. Menschen mit dieser Einstellung hätten oft eine starke Neigung zu Verschwörungstheorien, so der Psychologe. Der Satz »Die meisten Menschen sind ziemliche Versager«, fand ebenfalls hauptsächlich bei den Wählern der AfD ddie stärkste Zustimmung, gefolgt von der Gruppe der Nichtwähler.

Wähler der Linken haben Brähler zufolge zwar auch relativ hohe Narzissmuswerte. Allerdings seien sie dort - anders als bei den AfD-Wählern - nicht mit einem Hang zum Autoritären verknüpft. Die Psychologen hatten den Studienteilnehmern nämlich auch Aussagen vorgelegt, die Vorlieben für Autoritarismus aufzeigen. Dem Satz »Menschen sollten wichtige Entscheidungen in der Gesellschaft Führungspersonen überlassen« stimmten besonders viele AfD-Wähler zu. Die geringste Zustimmung fand diese Aussage bei den Anhängern der Grünen. Auch die meisten Wähler der Linken konnten dieser Idee wenig abgewinnen.

Die Studienergebnisse belegen außerdem, was andere Untersuchungen der vergangenen zwei Jahre bereits angedeutet hatten: Mit dem Wandel von der wirtschaftsliberalen »Professorenpartei« hin zur Anti-Asyl-Partei hat sich auch die soziale Zusammensetzung der AfD-Anhängerschaft verändert. Mit 9,6 Prozent war der Anteil der Arbeitslosen unter den Wählern der AfD am höchsten. Von den Befragten, die sich zur Linkspartei bekannten, waren 9,2 Prozent arbeitslos. Den niedrigsten Anteil von Arbeitslosen (1,8 Prozent) und den höchsten Anteil von Abiturienten (40,9 Prozent) fanden die Forscher unter den Wählern der Grünen.

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