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KKH-Versichertendaten

Ärzte verschreiben weniger Antibiotika

Humanmediziner in Deutschland verordnen deutlich weniger Antibiotika als vor zehn Jahren – zumindest bei Versicherten der Kaufmännischen Krankenkasse (KKH), wie eine Auswertung der Patientendaten ergab.
Daniela Hüttemann
12.12.2018
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Den Angaben der KKH zufolge stellten Ärzte im vergangenen Jahr 10 Prozent weniger Rezepte für Antibiotika aus als noch vor zehn Jahren. 18 Prozent der Versicherten bekamen 2017 ein solches Medikament verordnet – das entspricht 328.785 Patienten. Im Schnitt erhielt jeder KKH-Patient 2,6 Antibiotika-Verordnungen im Jahr; 2007 waren es noch 2,9 gewesen. Am höchsten war der Rezeptanteil in Bremen (38 Prozent der Versicherten) und im Saarland (33 Prozent), am niedrigsten in Nordrhein-Westfalen (11 Prozent), Bayern (13 Prozent) und Baden-Württemberg (14 Prozent).

»Der bei Mensch und Tier zu häufige und oft nicht zielgenaue Einsatz hat zur Folge, dass Bakterien resistent gegen die einstige medizinische Wunderwaffe werden«, sagte Sven Seißelberg, Apotheker bei der KKH. Angesichts der bedrohlichen Resistenzsituation appelliert die Krankenkasse an Ärzte, Antibiotika nur so oft wie nötig und so selten wie möglich anzuwenden, und gibt die üblichen Hinweise an Patienten:

• Keine Selbstmedikation. Hinsichtlich Dosis, Zeitpunkt, zeitlichem Abstand unbedingt an die Einnahmevorgabe des Arztes oder Apothekers halten.

• Der Arzt bestimmt die Einnahmedauer. Das Antibiotikum nicht eigenmächtig vorher absetzen oder länger einnehmen. Eine abweichende Einnahme erhöht das Risiko für Resistenzen.

• Antibiotika immer mit ausreichend Wasser einnehmen. Milch oder Fruchtsäfte können die Wirkung beeinträchtigen und sogar aufheben. Auf Alkohol verzichten.

• Medikamentenreste nicht an Dritte weitergeben und nicht in die Toilette werfen, da sie die Klärwerke belasten; am besten in der Apotheke abgeben oder im Restmüll entsorgen.

Weitere Information finden sich im Informationsblatt 7 Tipps für den richtigen Umgang mit Antibiotika der ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände.

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