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Libanon
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»Ärzte ohne Grenzen« fordert Zugang zur Gesundheitsversorgung

»Ärzte ohne Grenzen« fordert, den Zugang von Zivilistinnen und Zivilisten im Süden des Libanon zur Gesundheitsversorgung zu gewährleisten, und unterstützt die Arbeit von Krankenhäusern. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schickt mit einem Landkonvoi Medikamente nach Beirut. Gleichzeitig werden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Gesundheitswesen bei Angriffen verletzt oder getötet.
AutorKontaktPZ
AutorKontaktdpa
Datum 25.03.2026  15:08 Uhr

Die Hilfsorganisation »Ärzte ohne Grenzen« unterstützt eigenen Angaben zufolge funktionsfähige Krankenhäuser im Süden des Libanon, die Notfallversorgung und Überweisungen anbieten können. Diese Unterstützung umfasst demnach die Bereitstellung von medizinischem Material, Treibstoff für die Stromversorgung und weiteren Hilfsgütern wie Decken und Hygienepaketen. Außerdem würden Teams der Organisation in Teilen der Regierungsbezirke Süd-Libanon, Nord-Libanon, Libanonberg sowie in Beirut und Akkar Gesundheitsversorgung anbieten, unter anderem für chronisch Erkrankte.

Trotz der Evakuierungsbefehle befinden sich laut der Organisation immer noch viele Menschen im Süden Libanons, »da sie teils aus ökonomischen Gründen, teils aufgrund von gesundheitlichen Einschränkungen ihre Dörfer und Städte nicht verlassen können«, so die Organisation. Aktuell sei ihr Zugang zu medizinischer Hilfe dadurch stark eingeschränkt und es sei auch für medizinische und humanitäre Helferinnen und Helfer schwer, sie zu erreichen. 

»Krankenhausmitarbeitende in Nabatieh, die sich entschieden haben, weiterzuarbeiten, sind gezwungen, im Krankenhaus zu bleiben und Fahrten außerhalb zu meiden,« sagt Luna Hammad, medizinische Koordinatorin von »Ärzte ohne Grenzen« bei einem Besuch im Nabatieh Regierungskrankenhaus, eines der Krankenhäuser, das laut der Organisation aktuell die meisten Verletzten aufnimmt. »Sie machen das schon seit Wochen so, haben kaum Pausen und halten diesen permanenten Druck und diese Angst aus.«

Tejshri Shah, Geschäftsführerin von »Ärzte ohne Grenzen« Belgien fordert, »dass Zivilistinnen, Zivilisten und medizinische Infrastruktur jederzeit geschützt werden und dass Menschen die Möglichkeit haben, medizinische Versorgung und weitere elementare Leistungen in Anspruch zu nehmen«. 

Libanon: Seit Anfang März 42 Sanitäter getötet

Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gab es bis zum 23. März mehr als 64 Angriffe auf Gesundheitseinrichtungen. Dabei wurden 51 Gesundheitsmitarbeitende getötet und 91 verletzt. Fünf Krankenhäuser und 49 Gesundheitszentren sind demnach derzeit außer Betrieb.

Wie das libanesische Gesundheitsministerium mitteilte, wurden bei einem jüngsten Vorfall am Montag zwei Sanitäter bei einem israelischen Angriff auf ihr Motorrad getroffen und getötet. Die beiden Männer seien auf dem Weg zu einem Einsatz und in Uniform gekleidet gewesen. Ihr Motorrad sei mit Warnleuchten ausgestattet gewesen. Somit steige die Zahl der seit Anfang März bei israelischen Angriffen getöteten Sanitäterinnen und Sanitäter auf 42. 

Sowohl die Hisbollah als auch die mit ihr verbündete Amal-Bewegung haben eigene Gesundheitsdienste. Insbesondere deren Mitarbeiter werden bei den Angriffen getroffen. Auf Nachfrage der Nachrichtenagentur dpa teilte das israelische Militär mit, den Fall zu prüfen.

Das israelische Militär wirft der Hisbollah vor, Krankenwagen und andere medizinische Einrichtungen für militärische Zwecke zu nutzen. Die libanesische Regierung wirft Israels Armee vor, vorsätzlich Rettungsmaßnahmen zu behindern und gegen das Völkerrecht zu verstoßen. 

WHO schickt 22 Tonnen Medikamente nach Beirut

Auch die WHO hat am Samstag einen Landkonvoi mit medizinischer Ausrüstung nach Beirut geschickt. »Die WHO hat 22 Tonnen lebensrettende Medikamente sowie Material für die Unfall- und Notfallchirurgie nach Beirut geschickt – genug, um die Behandlung von 50.000 Patienten zu gewährleisten, darunter 40.000 chirurgische Eingriffe«, teilte WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus auf der Microblogging-Plattform X mit. 

Dies sei der erste Konvoi, der über eine länderübergreifende Landbrücke vom Globalen Logistikzentrum der WHO in Dubai aus entsandt wurde. Damit sei eine neue Route eingerichtet worden, um den Nachschub in der gesamten Nahostregion trotz zunehmender logistischer Störungen aufrechtzuerhalten. Der Konvoi werde voraussichtlich innerhalb einer Woche in Beirut eintreffen. Weitere Lieferungen der WHO stünden bereit und würden in Kürze versendet, um die Hilfsmaßnahmen im Libanon zu unterstützen.

»Die WHO dankt der Regierung der Vereinigten Arabischen Emirate für die über zehnjährige Partnerschaft zur Unterstützung des Globalen Logistikzentrums«, schrieb Ghebreyesus. Dieses würde den Transport humanitärer Hilfsgüter in mehr als 150 Länder weltweit sicherstellen. Er schrieb außerdem, dass die WHO den Schutz des Gesundheitswesens fordert und an alle Parteien appelliert, »den lebensrettenden Weg zum Frieden zu wählen«.

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