Pharmazeutische Zeitung online
Schizophrenie

Adhärenz als Schlüssel zum Erfolg

Mangelnde Adhärenz ist ein großes Problem in der Therapie der Schizophrenie, denn sie ist der häufigste Grund für ein Rezidiv. Doch mit besserer Verträglichkeit der Antipsychotika steigt meist auch die Adhärenz. Moderne Wirkstoffe sind hier vorteilhaft.
Brigitte M. Gensthaler
11.04.2019  17:00 Uhr

Bei Erstmanifestation einer Schizophrenie erreichen bis zu 80 Prozent der Patienten mit klassischen Antipsychotika eine Remission. Und auch in der Prophylaxe sind die Medikamente effektiv. »Das Rezidivrisiko sinkt auf 25 Prozent«, berichtete Dr. Karolina Leopold vom Berliner Vivantes Klinikum Am Urban bei einer Pressekonferenz der Recordati Pharma in München. Jedoch schränken teils erhebliche Nebenwirkungen und eine unzureichende Wirkung auf Negativsymptome und kognitive Defizite die Therapietreue bei klassischen Antipsychotika deutlich ein. »Weniger als die Hälfte der Patienten sind nach sechs bis zwölf Monaten noch therapietreu«, sagte die Ärztin. Demzufolge erhöhe sich die Rezidivrate deutlich.

Antipsychotika der zweiten Generation, die sogenannten Atypika, wirken deutlich besser auf Kognition und Negativsymptomatik, die die Prognose und den Verlauf der Erkrankung entscheidend bestimmen. Zu den Negativsymptomen gehören zum Beispiel Affektverflachung, Freudlosigkeit, sozialer Rückzug und Apathie. In einer Phase-IIIb-Studie mit 460 Patienten linderte das atypische Antipsychotikum Cariprazin, das 2018 auf den deutschen Markt kam, diese Symptome besser als das Atypikum Risperidon.

Cariprazin wirke nachgewiesenermaßen gut auf die Negativsymptome, aber der Effekt auf die Kognition müsse noch in Studien untermauert werden, resümierte Leopold. Ein Pluspunkt sei das günstigere Nebenwirkungsprofil. Die Patienten nähmen unter der Therapie kaum an Gewicht zu. Zudem löse Cariprazin keine metabolischen Veränderungen, Sedierung oder Prolaktin-Erhöhung aus, die wiederum zu Libidoverlust und sexuellen Funktionsstörungen führen kann. Diese Nebenwirkungen würden viele Patienten nur schwer akzeptieren und das belastet die Adhärenz. Die häufigsten Nebenwirkungen unter Cariprazin sind Akathisie (Rastlosigkeit, »Sitzunruhe«) und Parkinsonismus.

Kreuztitration bei der Umstellung

Wird eine Umstellung von einer anderen Medikation auf Cariprazin erwogen, sei eine behutsame Kreuztitration erforderlich, wie die Ärztin erklärte. Wichtig sei ein langsames Aufdosieren von Cariprazin in 1,5-mg-Schritten. Nach circa drei Wochen haben die Blutspiegel ein Steady-state erreicht. Dann erst wird das andere Antipsychotikum ausgeschlichen.

Wird der Patient von Cariprazin auf ein anderes Medikament umgestellt, ist keine sukzessive Kreuztitration nötig. Die Therapie wird mit dem anderen Antipsychotikum in der geringsten Dosierung begonnen und Cariprazin einfach abgesetzt. Aufgrund der langen Halbwertszeit seiner beiden aktiven Metaboliten sinken die Plasmakonzentrationen nur langsam. Daher fallen Blutspiegel und Wirkung auch nicht gleich ab, wenn der Patient mit der Einnahme pausiert, hieß es bei der Pressekonferenz. Cariprazin »verzeihe« tageweises Aussetzen der Medikation, was bei Schizophrenie-Patienten ein wichtiger Vorteil sei.

Mehr von Avoxa