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Reformen, Vergütung, Löhne

Adexa listet Erwartungen an neue Bundesregierung auf

Zwei Tage ist die Bundestagswahl her und nun gilt es, die Weichen für die neue Legislatur zu stellen. Während im politischen Berlin die parteiübergreifenden Gesprächsrunden beginnen, hat die Apothekengewerkschaft Adexa ihre Erwartungen an die noch zu findende Bundesregierung formuliert. Außerdem erklärt sie, warum das Thema Mindestlohn kein »Nebenaspekt« ist.  
Cornelia Dölger
28.09.2021  14:30 Uhr

Das Wahlergebnis ist denkbar knapp, vieles ist offen, allein sicher scheint, dass sowohl die Grünen als auch die FDP an einer künftigen Bundesregierung beteiligt sein werden. Ob sie zueinander finden können, wollen beide Parteien nun in Gesprächen prüfen, erst danach sollen SPD und Union an den Verhandlungstisch geholt werden. Dabei wird es sicher auch um den Mindestlohn gehen, also ein traditionelles Wahlkampfthema etwa der SPD, von ihr lange gefordert und 2015 schließlich eingeführt, von der FDP hingegen stets abgelehnt. Strittig war dabei auch immer die Höhe; zuletzt angehoben wurde der Mindestlohn hierzulande im vergangenen Juli auf 9,60 Euro pro Stunde.

Hierzu hat sich die Apothekengewerkschaft Adexa nun klar positioniert. In einem Newsletter an ihre Mitglieder schreibt sie, dass derzeit mehr als zehn Millionen Menschen deutschlandweit von einem höheren Mindestlohn profitieren könnten, den Grüne und SPD in ihren Wahlprogrammen fordern. So hoch nämlich sei laut Statistischem Bundesamt die Zahl der Menschen, die für weniger als die geforderten zwölf Euro pro Stunde arbeiteten. Wer das Thema also als »reinen Nebenaspekt« betrachte, »täuscht sich gewaltig«, schreibt die Gewerkschaft. Stundenlöhne unter zwölf Euro beträfen demnach nicht nur etwa Branchen wie Friseurhandwerk, Gebäudereinigung sowie Gastronomie oder Einzelhandel, das habe eine Analyse der Hans-Böckler-Stiftung, die zum Deutschen Gewerkschaftsbund gehört, gezeigt. Auch Medizinische und Zahnmedizinische Fachangestellte kämen in der Analyse vor und seien mithin betroffen, heißt es. Die Studie hatte laut Adexa fast 200.000 Datensätze von Beschäftigten per Online-Erhebung ausgewertet.

PKA-Berufsanfängerinnen mit 10,80 Euro pro Stunde

Höhere Mindestlöhne wären dabei auch für die lokalen Apotheken von Belang, betont die Gewerkschaft »Sollten Mindestlöhne tatsächlich vom Gesetzgeber auf zwölf Euro angehoben werden, hat das auch Folgen für öffentliche Apotheken«, so Tanja Kratt, Vorstand und Leiterin der Tarifkommission bei der Adexa. Sie rechnet in der Mitteilung vor, dass zwar die Einstiegsgehälter von Approbierten deutlich und die von PTA knapp über den geforderten zwölf Euro lägen. Aber: »Bei PKA-Berufsanfängerinnen sind es derzeit jedoch nur 10,80 Euro pro Stunde«, heißt es. Angesichts des immer akuter werdenden Fachkräftemangels bestehe hier »dringender Handlungsbedarf«, so die Gewerkschaft. Die Tarifkommission der Gewerkschaft habe bereits entsprechende Forderungen an die Arbeitgebervertretungen gestellt.

Den Fachkräftemangel hat die Gewerkschaft auch bei ihren jetzt formulierten Erwartungen an die künftige Bundesregierung im Blick. In der Auflistung heißt es: »Wir erwarten, dass die Regierung die Umsetzung des PTA-Reformgesetzes im Sinne des Berufsnachwuchses und mit Blick auf den Fachkräftemangel begleitet.« Außerdem solle die Ausbildung von Apothekerinnen und Apothekern »zeitnah und nachhaltig« modernisiert werden, schreiben die Adexa-Vorstände Tanja Kratt und Andreas May in dem Newsletter.

Zudem müssten die vielen Zusatzaufgaben, die die Apotheken während der Pandemie geleistet haben und leisten, auch danach noch anerkannt und besser vergütet werden, heißt es. Arzneimittel und Medizinprodukte sollten wieder verstärkt in Europa hergestellt werden, fordert die Gewerkschaft. Für die Digitalisierung im deutschen wie im europäischen Apothekenbereich sollten darüber hinaus so strenge Sicherheitsregeln gelten, »dass sie weder zulasten der Arzneimittelsicherheit noch zulasten von heimischen Arbeitsplätzen geht«.

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