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Ebolaviren

Ablenkungsmanöver für das Immunsystem

Das Ebolavirus führt das menschliche Immunsystem durch sogenannte virale Täuschkörper in die Irre. Diese werden aus infizierten Zellen freigesetzt und fangen neutralisierende Antikörper ab. Möglicherweise lassen sie sich therapeutisch für die Entwicklung eines Impfstoffs nutzen.
Annette Mende
13.02.2019
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Über die immunmodulatorischen Effekte des Ebolavirus berichtet aktuell eine Arbeitsgruppe um Julia Nehls vom Universitätsklinikum Tübingen im Fachjournal »Cell Reports«. Demnach bringt das Hüllprotein des Virus infizierte Zellen dazu, kleine Vesikel freizusetzen, auf deren Oberfläche sich das Hüllprotein des Ebolavirus befindet. Diese sogenannten Virosomen binden Antikörper, die gegen das Ebolavirus gerichtet sind, und unterdrücken die Freisetzung von Zyto- und Chemokinen durch Makrophagen.

Weil das Immunsystem Gegenmaßnahmen entwickelt hat, kommt es aber letztlich bei den meisten Infizierten trotz der Täuschkörper zu einer Immunantwort gegen des Ebolavirus. »Wir konnten zeigen, dass ein anderes zelluläres Protein, das eine wichtige Rolle bei der angeborenen Immunabwehr spielt, die Freisetzung der Virosomen verhindert«, erläutert Seniorautor Professor Dr. Michael Schindler in einer Pressemitteilung. Dabei handelt es sich um Tetherin, das für den Schutz menschlicher Zellen vor Virusinfektionen wichtig ist.

»Die Virosomen tragen offensichtlich funktionell intaktes Ebola-Hüllprotein auf ihrer Oberfläche, sind aber ansonsten nicht infektiös«, ergänzt Koautor Professor Dr. Stefan Pöhlmann vom Deutschen Primatenzentrum in Göttingen. Damit seien die Täuschkörper attraktive Kandidaten für die Entwicklung eines Impfstoffs.

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