| Christina Hohmann-Jeddi |
| 09.06.2026 17:00 Uhr |
Blutungen sind gut zu erkennen, schwieriger ist es mit Gefäßverletzungen, die zu einem Gefäßverschluss führen können. / © Getty Images/ Thianchai Sitthikongsak
Im Sommer werden die Menschen mobiler, fahren Fahrrad, E-Roller oder machen Trendsportarten. Dabei kann es auch zu Unfällen kommen. Bei diesen können neben Knochen und Gelenken auch die Gefäße Schaden nehmen. Darauf machte Dr. Yvonne Goßlau vom Universitätsklinikum Augsburg bei einer Pressekonferenz der Deutschen Gesellschaft für Gefäßchirurgie und Gefäßmedizin am 8. Juni aufmerksam.
Prellungen und sichtbare Blutungen treten deutlich häufiger als schwere innere Gefäßverletzungen auf. »Gefäße sind gut geschützt«, sagte Goßlau. »Die gute Nachricht ist daher: Gefäßschäden sind sehr selten.« Zur Einordnung: Bei etwa 1 bis 4 Prozent aller Unfälle tritt überhaupt eine Gefäßverletzung auf; bei Polytraumen steigt der Anteil auf 7 bis 10 Prozent. Blutungen etwa bei Schürfwunden oder offenen Brüchen seien offensichtlich und auch Blutungen nach innen bei intakter Haut sind gut zu erkennen. Man sehe dann einen blauen Fleck, der sich vergrößert, so Goßlau.
Deutlich schlechter zu erkennen sind Gefäßschäden, bei denen nicht das gesamte Gefäß gerissen, sondern nur innere Schichten etwa bei einem Intimaeinriss oder einer Gefäßquetschung. Dann kann es zu einem Gefäßverschluss kommen, durch den das darunterliegende Gewebe, etwa Arm oder Bein, nicht mehr ausreichend durchblutet wird. Dies könnte zu Gewebeschäden führen und im schlimmsten, aber seltenen Fall sogar zu einer Amputation, berichtete die Ärztin.
Wie sind solche »stillen« Gefäßverletzungen zu erkennen? Alarmzeichen sind ein Gefühlsstopp in den Extremitäten, ein kalter oder blasser Arm beziehungsweise Fuß, zunehmende Taubheit oder Kribbeln sowie eine deutliche Bewegungsschwäche. Wichtig sei es auch, auf Unterschiede zwischen rechtem und linkem Fuß oder Arm zu achten. Jede plötzlich schmerzhafte, kalte und blasse Extremität ist ein Notfall. Eine ärztliche Abklärung und gegebenenfalls Handeln sind notwendig, um Folgeschäden, die innerhalb von Stunden auftreten können, zu vermeiden.
Als Beispiel nannte die Medizinerin die sogenannten Lenkertraumen, bei denen sich durch einen Sturz der Lenker eines E-Rollers oder Fahrrads in den Bauch bohrt. Durch das stumpfe Trauma können Prellungen auftreten und auch Minderdurchblutungen in den Beinen.
Ebenso wichtig ist der Hinweis auf das Kompartmentsyndrom: Nach Sturz oder Quetschung können starke, zunehmende Schmerzen, gespannte Schwellung, Taubheitsgefühl oder Schmerzen bei Bewegung der Finger oder Zehen auf einen gefährlichen Druckanstieg im Gewebe hinweisen. Auch das ist ein zeitkritischer Notfall, da Gewebe absterben kann und dadurch dauerhafte Schäden entstehen können. Goßlau riet, bei Unfällen nicht nur auf »viel Blut« zu achten, sondern auch auf die Zeichen einer Mangeldurchblutung.