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Neue RKI-Zahlen

7 Prozent der Schulanfänger fehlt vollständiger Masernschutz

»Die Impflücken bei Masern sind weiterhin zu groß«, melden BMG, BZgA und RKI. Nach neuen Daten sind nur etwa 93 Prozent der Schulanfänger zweimal gegen Masern geimpft.
Daniela Hüttemann
02.05.2019
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Um einen wirksamen Bevölkerungsschutz zu erreichen und die Masern auszurotten, müssten mindestens 95 Prozent der Bevölkerung komplett gegen die Viren immunisiert sein. Daran hapert es aber weiterhin landauf landab, wie die heute veröffentlichten Impfraten der Schulanfänger 2017 zeigen. »Zwar haben 97,1 Prozent der Schulanfänger die erste Impfung bekommen«, teilen das Robert-Koch-Institut (RKI), das Bundesgesundheitsministerium (BMG) und die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) heute mit. Aber bei der entscheidenden zweiten Masernimpfung gebe es große regionale Unterschiede, sodass auf Bundesebene die gewünschte Impfquote von 95 Prozent noch immer nicht erreicht werde. Sie lag 2017 bei den Erstklässlern im Bundesdurchschnitt bei gut 93 Prozent. Die schlechtesten Impfquoten hatten den Daten im »Epidemiologischen Bulletin« zufolge Baden-Württemberg (89,1 Prozent) und das Saarland (90,5 Prozent).  Die zweite Impfung ist notwendig, um die Zahl der Impfversager, die auf die erste Vakzinierung nicht angesprochen haben, zu verringern.

Auch bei den anderen wichtigen impfpräventablen Erkrankungen wird es nicht besser. So haben laut Mitteilung die Impfraten für Diphtherie, Tetanus, Keuchhusten und Polio bei den Schulanfängern bereits im dritten Jahr in Folge abgenommen. »Trotz aller Aufklärungskampagnen sind die Impfquoten in den vergangenen Jahren nicht entscheidend gestiegen«, bedauert Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU). »Deshalb muss die Masernimpfung in Kindergärten und Schule verpflichtend werden. Denn wer sich impft, schützt nicht nur sich selbst, sondern auch die Gemeinschaft.« Die Ausrottung der hoch ansteckenden Viruserkrankung sei das Ziel.

Das RKI hat im Jahr 2018 insgesamt 548 Masernerkrankungen registriert. In diesem Jahr seien es bereits mehr als 300 Fälle. Ein großes Problem sind dabei nicht nur die Schüler, sondern auch die jungen Erwachsenen. »Fast die Hälfte der Erkrankten sind junge Erwachsene, das weist auf die großen Impflücken in diesen Altersgruppen hin«, betont RKI-Präsident Professor Dr.  Lothar H. Wieler. Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt für die nach 1970 Geborenen, die Impfung nachzuholen, wenn im Impfpass keine oder nur eine Masernimpfung aus der Kindheit vermerkt ist oder der Impfstatus unklar ist.

Der RKI-Präsident plädiert für weitere Maßnahmen: »Fachübergreifendes Impfen sollte unabhängig von Bundesland und Krankenkasse Normalität sein, Betriebsärzten das Impfen erleichtert werden und auch automatisierte Impferinnerungen sollten Standard sein. Wenn dann noch niedrigschwellig Impfungen aktiv angeboten werden, bin ich überzeugt davon, dass die Impfquoten steigen«, so Wieler. Die BZgA-Leiterin Dr. Heidrun Thaiss plädiert dafür, jeden Kontakt im Gesundheitssystem zu nutzen, um den Impfstatus zu kontrollieren und Impfungen aktiv anzubieten. Apotheken werden dabei nicht explizit genannt.

Auch die Kinderärzte haben sich für eine Masernimpfpflicht ausgesprochen. Sie weisen allerdings auch mögliche Probleme hin. »In Deutschland ist derzeit kein Einzelimpfstoff gegen Masern mehr verfügbar«, sagte Thomas Fischbach, Präsident des Bundesverbands der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ), den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. Derzeit wird laut Impfstoff-Liste des Paul-Ehrlich-Instituts kein Masern-Monoimpfstoff in Deutschland vermarktet. Hierzulande zugelassen und importierbar ist der Masern-Impfstoff Mérieux von EurimPharm.

In Deutschland werden regulär MMR- oder MMRV-Vakzinen verimpft, also Masern in Kombination mit Mumps und Röteln (MMR) oder diese Kombi plus Windpocken (MMRV).  »Es wäre nicht sinnvoll, im Zuge einer Masernimpfpflicht wieder zu Einfachimpfstoffen zurückzukehren», warnte Fischbach. »Besser wäre es, gleich die Dreifachimpfung gegen Masern, Mumps und Röteln zur Pflicht zu machen.«

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