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Gematik-Umfrage 
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41 Prozent haben noch nie von der EPA gehört

Die elektronischen Patientenakte für alle steht in den Startlöchern. Doch bis vor Kurzem hatte fast die Hälfte der Deutschen noch nie von der neuen Akte gehört. Außerdem fühlen sich nur wenige Bürgerinnen und Bürger ausreichend informiert. 
AutorKontaktLukas Brockfeld
Datum 12.12.2024  14:30 Uhr

Am 15. Januar beginnt der Roll-out der elektronischen Patientenakte (EPA) für alle. Zunächst soll die Akte in den Modellregionen Franken, Hamburg und Nordrhein-Westfalen freigeschaltet werden. Wenn keine größeren Probleme auftreten, soll die EPA vier Wochen später in ganz Deutschland eingeführt werden. 

Wenige Wochen vor dem Start des großes Digitalisierungsprojekts zeigt eine aktuelle Studie der Gematik, dass 41 Prozent der Bürgerinnen und Bürger noch nicht von der EPA gehört haben. Das ist auch deshalb problematisch, weil die elektronische Akte sensible Gesundheitsdaten enthalten soll und die Versicherten dem Anlegen einer EPA aktiv widersprechen müssen

Die Gematik hat für die Studie 1060 Menschen in fünf Wellen online befragt. Die jüngsten Ergebnisse der repräsentativen Umfrage stammen vom Oktober 2024. Es ist also möglich, dass seitdem weitere Bürgerinnen und Bürger, zum Beispiel von ihrer Krankenkasse, über die EPA informiert wurden. Den Teilnehmenden der Umfrage wurde die Frage »Kennen Sie die elektronische Patientenakte, gegebenenfalls auch nur dem Namen nach?« gestellt. 

Wachsende Bekanntheit

Laut der Studie wuchs die Bekanntheit der EPA in den vergangenen Monaten. Im November 2023 war die elektronische Akte nur 40 Prozent der Befragten ein Begriff, im Oktober 2024 immerhin 59 Prozent. 

Die Umfrage zeigte auch, dass im Oktober 2024 nur 34 Prozent der 1060 Befragten der Aussage »Ich fühle mich ausreichend zur elektronischen Patientenakte informiert« zustimmten. 44 Prozent stimmten der Aussage nicht zu, 21 Prozent waren sich unsicher. Auch hier konnten sich die Werte in den vergangenen Monaten verbessern. Im November 2023 fühlten sich nur 19 Prozent der Teilnehmenden ausreichend informiert. 

Trotz allem scheint die Mehrheit der Deutschen der EPA aufgeschlossen gegenüber zu stehen. Laut der Gematik-Studie wollten im Oktober nur fünf Prozent der Befragten, die schon von der EPA gehört hatten, der Einrichtung ihrer elektronischen Patientenakte widersprechen. Weitere 13 Prozent wollen die EPA zwar nicht aktiv nutzen, verzichten aber auf den Widerspruch. 

Ärzte und Patienten sehen Mehrwert 

Die meisten Befragten sehen einen Mehrwert in der elektronischen Akte. So stimmten 75 Prozent der Umfrageteilnehmenden im Oktober der Aussage »die elektronische Patientenakte wird dem medizinischen Personal helfen« zu. 49 Prozent unterstützten auch die Idee, dass die anonymisierten Patientendaten zu Forschungszwecken verwendet werden. Gleichzeitig äußerten 19 Prozent Bedenken bezüglich der EPA. Auffällig ist, dass dieser Wert seit Oktober 2023 stabil ist. 

Die Gematik hat im November 2024 zusätzlich 800 niedergelassene Ärztinnen und Ärzte befragt. Dabei zeigte sich, dass 20 Prozent der Medizinerinnen und Mediziner keine Vorteile in der neuen EPA sehen. Den größten Zusatznutzen sah die Ärzteschaft in der einrichtungsübergreifenden Verfügbarkeit von Medikations- (47 Prozent) und Labordaten (41 Prozent) sowie in dem einfachen Zugriff auf die medizinischen Informationen der Patientinnen und Patienten (41 Prozent).

Gleichzeitig geben nur 4 Prozent der Niedergelassenen an, dass sie keine Bedenken bezüglich der EPA hätten. Vor allem ein möglicher Mehraufwand aufgrund sich verändernder Arbeitsabläufe (48 Prozent) und unklare Zugriffsrechte (36 Prozent) machen den Praxen Sorgen. 

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