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Schadenersatz

4000 Klagen gegen Merck

Einige Hundert der Kläger sind am Montag zum Prozessauftakt in der Gemeinde Villeurbanne in Lyon erschienen. Ihr Vorwurf: Der Hersteller Merck habe sie nicht ausreichend über die veränderte Rezeptur eines Schilddrüsen-Präparats informiert.
dpa
03.12.2018
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In einer Sammelklage fordern die Kläger Schadenersatz  von 10.000 Euro pro Person. Hintergrund ist, dass Merck

in Frankreich die Zusammensetzung seines Schilddrüsenmedikaments Levothyrox® geändert hatte. Patienten hatten sich über unerwünschte Nebenwirkungen der eingeführten neuen Rezeptur beschwert. »Sie haben nicht im geringsten darüber informiert«, sagte Opferanwalt Christophe Lèguevaques in seiner Eröffnungsrede. Die Kläger werfen dem Pharmahersteller vor, nicht ausreichend über die veränderte Rezeptur und mögliche Auswirkungen informiert zu haben.

Merck argumentiert, dass das Gericht in Lyon nicht zuständig sei. Der Anwalt des Unternehmens forderte, den Fall an ein höheres Gericht, das Tribunal de Grande Instance, zu verweisen – nur dort könne über Fälle von Körperverletzung in diesem Ausmaß entschieden werden. Die Zivilklage der Levothyrox®-Patienten in Lyon zielt allerdings nicht auf Körperverletzung, sondern auf »fehlende Information« und »Schaden durch Angst« ab, weil die Patienten nicht gewusst hätten, weshalb sie plötzlich gesundheitliche Probleme gehabt hätten. Merck hatte die neue Zusammensetzung auf Bitte der französischen Medikamentenbehörde ANSM entwickelt.

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