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Medizintechnik

3-D-Körperscan soll Schönheits-OPs und Hautkrebs-Diagnose verbessern

Ob neuer Busen oder Fettabsaugung: Bislang müssen Patienten bei plastischen Operationen auf gutes Augenmaß ihres Operateurs. Das soll sich ändern: In der Münchener Uniklink steht den Chirurgen künftig der erste 3-D-Ganzkörperscanner Deutschlands zur Seite. Auch die Hautkrebs-Therapie soll das Gerät verbessern.
dpa
21.10.2019
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Die Mediziner erhoffen sich davon einiges – und zwar nicht nur bei Schönheitsoperationen jeglicher Art, sondern auch bei der Bekämpfung von Hautkrebs. «Da wird mit einer einzigen Aufnahme ein gesamtes Bild der Körperoberfläche gemacht, und zwar nicht nur von der Haut selbst, mit ihren Läsionen und Muttermalen, sondern auch vom Körpervolumen», erklärt Professor Dr. Riccardo Giunta, Direktor der Plastischen Chirurgie der Uniklink. «Wir können damit ein 3-D-Modell vom Gesicht, der Brust, dem Bauch und auch dem ganzen Körper machen, und das spielt bei jeder Art der körperformenden Eingriffe der plastischen Chirurgie eine Rolle.»

Ein Beispiel sind Brustrekonstruktionen, etwa nach krebsbedingten Amputationen. «Bisher war man da auf Augenmaß angewiesen und ein paar Messwerte vom Maßband, aber so hat man tatsächlich eine exakte Volumenmessung mit einem relativ einfachen Verfahren», erläutert Giunta. Die Mediziner wissen dank der neuen Technik genau, wie viel Körperfett sie für die neue Brust benötigen und wie diese geformt sein muss, damit es hinterher auch symmetrisch aussieht.

Der Präsident der Deutschen Gesellschaft der Plastischen, Rekonstruktiven und Ästhetischen Chirurgen, Professor Dr. Lukas Prantl von der Uniklinik Regensburg, ist deshalb auch recht angetan von dem neuen Scanner, von dem bislang weltweit erst rund zehn Exemplare im Einsatz sind. «Dieses Imaging ist ganz bedeutend, das ist wirklich ein Zukunftsthema. Da wird in den nächsten Jahren in Kombination mit künstlicher Intelligenz einiges auf uns zu kommen, was uns viele Arbeitsschritte erleichtern wird.» Er schränkt jedoch ein: «Was man jetzt noch nicht ganz abwägen kann ist, welches Produkt schlussendlich für den Patienten und uns Mediziner das beste ist und sich durchsetzt.»

Schon heute arbeiten die Chirurgen mit Kameras und mit dreidimensionalen Modellen und -simulierungen. Laut Prantl ist der Vorteil der 250.000 Euro teuren Neuanschaffung der Münchener namens WB360 aber die Objektivität: Der Patient steht zwischen zwei futuristisch gebogenen Gebilden, die an das Innendesign von Raumschiffen in Science-Fiction-Filmen erinnern. Darin versteckt sind 92 hoch auflösende HD-Kameras, deren Aufnahmen von der Software zu einem dreidimensional Bild des Patienten zusammengerechnet werden. «Das ist sicher in der Komplexität der Ablichtung eine Neuerung», urteilt auch Professor Dr. Konstantin Nikolaou, Wissenschaftskoordinator der Deutschen Röntgengesellschaft.

Die detaillierte Körperoberflächenaufnahme, die kleinste Veränderungen sichtbar mache, sei in der Medizin vielseitig nutzbar. Nikolaou ist überzeugt: «Man wird verschiedene Kategorien dieser 3-D-Technik sehen, mit verschiedenen Anwendungen. Das ist eine breite Spielwiese.» So könnten 3-D-Scanner in der Radiologie die Strahlenbelastung sowohl für den Patienten als auch für das medizinische Personal durch eine kameraüberprüfte und dadurch höchst exakte Positionierung im Raum deutlich reduzieren.

Giunta, der in München seit September mit dem neuen Scanner arbeitet, sieht vor allem auch Chancen in der Dermatologie. «Mit der Software ist es möglich, die ganzen Hautläsionen in Bezug auf Farbunregelmäßigkeiten oder Unregelmäßigkeiten des Randes, also Risikofaktoren auf Bösartigkeit, zu prüfen.» Anders als bei bisher üblichen Verfahren zur Dokumentation sei dabei jedes einzelne Muttermal eindeutig einem bestimmten Ort auf dem Körper zuordenbar – «wie auf einer Art Landkarte».

Dennoch ist das Präsidiumsmitglied der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft, Professor Dr. Peter Elsner von der Uniklinik Jena, skeptisch. «Nicht jedes neue Gerät oder Verfahren ist sinnvoll und sicher für Patienten.» Ob der 3-D-Ganzkörperscanner tatsächlich eine Verbesserung der Hautkrebs-Frühdiagnostik ermögliche, müssten wissenschaftliche Studien zeigen. «Solche liegen nach unserer Erkenntnis bisher nicht vor.» Bis dahin sei eine seriöse Einschätzung des Potenzials des Geräts nicht möglich.

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