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Plötzlicher Herztod: Tragbarer Defibrillator kann Leben retten

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In den ersten drei Monaten nach einem schweren Herzinfarkt haben die Patienten ein hohes Risiko, tachykarde Rhythmusstörungen und einen plötzlichen Herztod zu erleiden. Tragen sie in dieser Zeit einen externen Defibrillator, der kontinuierlich den Herzrhythmus überwacht und im Notfall einen elektrischen Schock abgibt, kann dies ihr Sterberisiko deutlich vermindern. Diese Ergebnisse der VEST-Studie mit etwa 2300 Teilnehmern stellte der Kardiologe Dr. Andreas Fach vom Klinikum links der Weser, Bremen, vor Medizinjournalisten in München vor.

 

Laut Fach sterben in Deutschland jedes Jahr mehr als 100.000 Menschen am Plötzlichen Herztod. Häufigste Auslöser sind schnelle Herzrhythmusstörungen wie anhaltende Kammertachykardien und Kammerflimmern. «Kammerflimmern hört von selbst nicht auf; es muss elektrisch unterbrochen werden mit einer Defibrillation», erklärte der Experte. «Der elektrische Schock ist dann lebenswichtig.» Mit jeder Minute Verzögerung sinke die Überlebenschance der Patienten um etwa 10 Prozent, das Gehirn werde innerhalb weniger Minuten ohne Durchblutung geschädigt. Dies ist ein wichtiger Grund, warum viele Hochrisikopatienten einen implantierbaren Kardioverter-Defibrillator (ICD) bekommen.

 

Da sich die Pumpfunktion des Herzens dank umfangreicher medikamentöser Therapie nach dem Herzinfarkt wieder erholen kann, empfehlen internationale Leitlinien jedoch, mit der Implantation eines ICD mindestens 40, bei manchen Indikationen bis zu 90 Tage zu warten. In diesem Zeitfenster, in dem Patienten mit schwer eingeschränkter Pumpfunktion ein hohes Herztod-Risiko haben, könne man die tragbare Defibrillator-Weste (WCD) einsetzen, berichtete der Arzt bei der von Zoll CMS, Köln, unterstützten Veranstaltung.

 

Der Patient trägt die Weste mit den Mess- und Defibrillationselektroden direkt auf dem Oberkörper; über der Kleidung trägt er einen Monitor, der in etwa aussieht wie ein älterer «Walkman». «Die Elektroden leiten kontinuierlich ein 2-Kanal-EKG ab; wird dabei eine Rhythmusstörung erkannt, gibt das Gerät nach mehrmaligen Alarmsignalen einen Schock ab», erklärte Fach die Funktionsweise.

 

In der randomisiert-kontrollierten VEST-Studie gab es innerhalb von 90 Tagen in der Gruppe, die zusätzlich zur leitliniengerechten medikamentösen Therapie die «LifeVest» bekam, deutlich weniger plötzliche Herztode (1,6 Prozent in der WCD-Gruppe versus 2,4 Prozent in der Kontrollgruppe), was aber statistisch nicht signifikant war. Die Rate der nicht-plötzlichen Herztode war ebenfalls nicht signifikant reduziert. Dennoch war die Gesamtmortalität signifikant verringert. «Berücksichtigte man nur die Daten derjenigen Patienten, die die Weste dauerhaft trugen, wurden alle Endpunkte signifikant erreicht», berichtete Fach. Die Sterblichkeit sei um 60 Prozent zurückgegangen. Die Publikation der Studie werde noch im September erwartet. (bmg)

 

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13.09.2018 l PZ

Foto: Fotolia/psdesign1