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Umfrage: Die meisten Deutschen gehen auch krank arbeiten

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Die Mehrzahl aller Berufstätigen in Deutschland geht auch krank zur Arbeit. Das hat eine Untersuchung der Universität St. Gallen im Auftrag der Barmer Ersatzkasse ergeben. Von den 8000 befragten Arbeitnehmern gaben 67 Prozent an, sie seien schon einmal trotz Erkrankung zur Arbeit gegangen.

 

Aber warum schleppt man sich mit Fieber und Husten ins Büro? Die meisten Umfrageteilnehmer (65 Prozent) nannten Pflichtgefühl als Grund. 50 Prozent erklärten, aus Rücksicht auf die Kollegen trotz tropfender Nase bei der Arbeit zu erscheinen. Der Gedanke, sie selbst seien die einzigen, die dort bestimmte Dinge erledigen können, war bei 28 Prozent der Befragten ausschlaggebend. Und 21 Prozent sagten, manchmal sei eben einfach zu viel zu tun, um zuhause zu bleiben.

 

Doch auch Angst um den Job kann eine Rolle spielen, wenn Menschen krank am Arbeitsplatz erscheinen. 30 Prozent der Befragten erklärten, bei ihnen sei die Angst vor negativen Konsequenzen oder dem Verlust des Arbeitsplatzes ausschlaggebend gewesen. Weitere Gründe der Umfrageteilnehmer waren Zeitdruck, Angst um das Betriebsklima und das eigene Gefühl, ohne Arbeit ruhelos zu sein.

 

Norbert Sudhoff, Chef der Barmer in Hessen, rät dazu, im Krankheitsfall zuhause zu bleiben. Klar müsse das nicht schon bei leichten Kopfschmerzen sein, sagte er. Wer aber stark erkältet oder mit Fieber weiterarbeite, riskiere damit, später umso länger auszufallen. Außerdem stecke er die Kollegen an, was im Betrieb wahre Dominoeffekte erzeugen könne.

 

Die Wissenschaft hat bereits einen Fachbegriff für das Arbeitengehen trotz Krankheit: Präsentismus. Laut Barmer kostet dieser Trend die Unternehmen mitunter mehr als krankheitsbedingte Fehlzeiten. Die Kasse ruft Arbeitgeber und Führungskräfte deshalb dazu auf, ihre Angestellten zu gesundheitsbewusstem Verhalten anzuregen. (ap)

 

24.07.2018 l PZ

Foto: Fotolia/eggeeggjiew