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Silibinin: Neuer Ansatz bei Morbus Cushing?

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Das pharmazeutische Unternehmen IBI Lorenzini will den pflanzlichen Wirkstoff Silibinin aus der Mariendistel (Silybum marianum) bei Morbus Cushing testen. Der neue Therapieansatz basiert auf Forschungsergebnissen des Max-Planck-Instituts (MPI) für Psychiatrie in München, die gezeigt haben, dass der Pflanzeninhaltsstoff bei der seltenen hormonellen Erkrankung wirken könnte. Die orale Therapie mit Silibinin könnte künftig möglicherweise die bisher meistens notwendige Operation des Gehirns zur Behandlung von Morbus Cushing ersetzen, teilt die Max-Planck-Gesellschaft mit.

 

Bei Patienten mit Morbus Cushing regt ein Tumor in der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse) diese dazu an, große Mengen des Hormons Adrenocorticotropin (ACTH) zu produzieren. In der Folge kommt es zur übermäßigen Freisetzung von Cortisol. Eine solche Cortisol-Schwemme im Körper wird normalerweise durch einen negativen Rückkopplungsmechanismus verhindert; wenn Glucocorticoid-Rezeptoren in der Hypophyse stimuliert werden, drosselt diese die ACTH-Freisetzung. Wie MPI-Forscher vor drei Jahren im Fachjournal «Nature Medicine» berichteten, liegt bei Patienten mit Morbus Cushing aber im Tumorgewebe das Hitzeschockprotein 90 (HSP90) in großen Mengen vor. Dieses wirkt in geringen Konzentrationen als Chaperon, also als Faltungshilfe für den Glucocorticoid-Rezeptor und sorgt dafür, dass dieser seine normale Struktur einnimmt. In hohen Konzentrationen hindert HSP90 dagegen den Rezeptor daran, seine aktive Struktur einzunehmen. Der Tumor wird dadurch unempfindlich gegenüber dem Stoppsignal zur ACTH-Freisetzung.

 

Silibinin bindet laut der Mitteilung an HSP90, ermöglicht die korrekte Faltung des Glucocorticoid-Rezeptors und stellt dadurch die Empfindlichkeit des Tumors gegenüber Cortisol wieder her. Die bislang meist notwendige operative Entfernung des Tumors könnte dadurch überflüssig werden. Für den pflanzlichen Wirkstoff, der zurzeit als Leberprotektivum eingesetzt wird, wäre es eine gänzlich neue Indikation. (am)

 

DOI: 10.1038/nm.3776

 

12.07.2018 l PZ

Foto: Fotolia/M. Schuppich