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Nebenwirkungen: Das sind die Top-Verursacher

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Gerinnungshemmer, Antibiotika und dämpfende Psychopharmaka sind die drei Wirkstoffklassen, zu denen dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) seit 1978 am häufigsten Nebenwirkungen gemeldet wurden. Das zeigt eine Auswertung der Spontanberichte durch BfArM-Mitarbeiter um Diana Dubrall, die jetzt im «Deutschen Ärzteblatt» erschienen ist. Demnach waren Antithrombotika in den vergangenen 40 Jahren am häufigsten Auslöser von gemeldeten Nebenwirkungen wie Thrombozytopenie, Magen-Darm-Blutungen oder Blutungen gefolgt von systemischen Antibiotika (Durchfall, Ausschlag, Juckreiz) und Tranquilizern (Arzneimittelabhängigkeit, Leukopenie, Fieber).

 

Insgesamt habe die Zahl der Spontanberichte kontinuierlich zugenommen, heißt es in dem Artikel. Das liege vor allem daran, dass Pharmafirmen durch verschärfte Gesetze verpflichtet wurden, mehr zu melden. Eine Rolle habe aber vermutlich auch eine gestiegene Sensibilität von Heilberuflern und Patienten gespielt sowie der erleichterte Zugang zum Meldeformular: Seit 2009 können Patienten dem BfArM Nebenwirkungen direkt online melden; in der Packungsbeilage wird dazu aufgerufen.

 

Sowohl die Arzneimittelgruppen als auch die Art der Nebenwirkungen unterscheiden sich laut der Analyse, je nachdem, ob ein Arzt oder ein Patient meldet. Ärzte meldeten am häufigsten zu (Benzo)diazepinen, Fluorchinolonen und Heparinen, und zwar Befunde oder Diagnosen, die medizinisches Fachwissen voraussetzen. Bei den Patienten führten dagegen Interferone, Antithrombotika und Immunsuppressiva die Rangfolge der problematischen Arzneistoffe an. Gemeldet wurden hier häufiger subjektiv wahrgenommene Nebenwirkungen und solche, die die Lebensqualität beeinträchtigen, etwa Gewichtsveränderung, Schlafstörungen oder Haarausfall. Letztere haben besondere Relevanz, weil sie, wenn die Patienten sie als belastend empfinden, die Compliance gefährden.

 

Ein weiteres praxisrelevantes Teilergebnis ist, dass ein Fünftel der häufigsten Nebenwirkungen die Haut betrifft und ein Drittel der Meldungen einen Bezug zur Haut hatte. «Arzneimittelnebenwirkungen sollten deswegen als Differenzialdiagnose bei Hautveränderungen in Betracht gezogen werden», empfehlen die Autoren. (am)

 

DOI: 10.3238/arztebl.2018.0393

 

12.06.2018 l PZ

Foto: Fotolia/Stockfotos-MG