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HPV: STIKO empfiehlt Impfung auch für Jungen

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Die Ständige Impfkommission empfiehlt eine Impfung gegen humane Papilloma-Viren (HPV) nun auch für Jungen im Alter von 9 bis 14 Jahren. Zur Nachholimpfung wird für ältere Jungen bis zum Alter von 17 Jahren geraten. Das hat das Gremium vergangene Woche beschlossen. Die Empfehlung und damit die Kostenübernahme gelten allerdings erst nach Veröffentlichung im Epidemiologischen Bulletin in der Kalenderwoche 34. Einzelne Krankenkassen bezahlen die Impfung für Jungen jedoch jetzt schon. Entsprechend zugelassen sind die Vakzinen bereits seit Längerem. Bislang ließen aber kaum Eltern ihre Söhne impfen. Dabei gehören die Viren zu den häufigsten sexuell übertragenen Erregern.

«Das wurde auch höchste Zeit!», kommentierte der Medizin-Nobelpreisträger Harald zur Hausen, dessen Forschung Grundlage für die Entwicklung der Impfung war, die neue STIKO-Empfehlung. Es gebe eine ganze Reihe an Gründen dafür, auch Jungen zu impfen. Das offensichtlichste Argument sei, dass in nahezu allen Kulturen die jungen Männer mehr Sexualpartner haben als Frauen der gleichen Altersgruppe. Damit seien Männer die wichtigsten Verbreiter der Infektion. «Ich habe immer plakativ gesagt: Würden wir nur die Jungs impfen, würden wir wahrscheinlich mehr Fälle von Gebärmutterhalskrebs verhüten als mit der ausschließlichen Impfung der Mädchen», so zur Hausen. Darüber hinaus seien Männer ja nicht nur Überträger, sondern können sich auch selbst infizieren.

Bislang galt die Impfempfehlung jedoch nur für Mädchen im Alter von 9 bis 14 Jahren (Nachholimpfung bis 18 Jahre). Die verschiedenen Virussubtypen lösen Genitalwarzen aus und können Krebs an Gebärmutter, am Penis, im Anal- sowie im Mund-Rachen-Bereich verursachen. Übertragen werden sie durch sexuelle Kontakte. Daher sollen Kinder und Jugendliche vor den ersten Sexualkontakten geimpft werden.

«Ohne eine Impfung der Jungen können wir nie eine sogenannte Herdenimmunität erreichen», betont zur Hausen. «Bei HPV schätzen wir, dass etwa 85 Prozent aller Jugendlichen geimpft sein müssen, um die Infektionskette zu durchbrechen. Doch angesichts der in Deutschland skandalös niedrigen HPV-Impfrate von Mädchen, die gerade mal bei 40 Prozent liegt, sind wir meilenweit von einem solchen Gemeinschaftsschutz entfernt.» (dh)

 

11.06.2018 l PZ

Foto: Fotolia/Africa Studio