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Typ-1-Diabetes: Studie testet Nasenspray zur Prävention

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Möglicherweise lässt sich mithilfe eines Insulin-Nasensprays verhindern, dass bei Kindern ein Typ-1-Diabetes ausbricht. In einer Studie will das Institut für Diabetesforschung am Helmholtz Zentrum München in Kooperation mit den Technischen Universitäten in München und Dresden nun bei Kindern mit einem hohen Typ-1-Diabetesrisiko prüfen, ob es tatsächlich funktioniert, die Autoimmunerkrankung aufzuhalten.

 

Wie ein Insulin-Nasenspray den Kindern nützen könnte, erklärt das Institut in einer Pressemeldung. Grundsätzlich muss das Immunsystem bei Neugeborenen lernen, zwischen fremden und körpereigenen Strukturen zu unterscheiden. Autoreaktive T-Zellen, das heißt Immunzellen, die mit körpereigenen Strukturen reagieren, sollen dabei absterben.

 

Übrigbleiben sollen nur Immunzellen, die mit fremden Strukturen, etwa Krankheitserregern, reagieren. Entkommt eine autoreaktive Immunzelle diesem Selektionsprozess, wird ihre Aktivität im Körper normalerweise durch regulatorische T-Zellen gehemmt. Vermutlich entsteht Typ-1-Diabetes, wenn bei einem dieser beiden Kontrollmechanismen etwas schief läuft. Bei Kindern ist Insulin meist das erste Ziel der Autoimmunerkrankung. Das heißt, es gibt autoreaktive Immunzellen gegen das Hormon.

 

«Ziel der PINIT-Studie ist es, das natürliche Gleichgewicht zwischen autoreaktiven und regulatorischen T-Zellen wiederherzustellen», so Studienleiter Privatdozent Dr. Peter Achenbach vom Institut für Diabetesforschung. Man wisse, dass Antigene, die über die Schleimhaut aufgenommen werden, die Bildung regulatorischer T-Zellen stimulieren können. Durch den Kontakt mit dem Schlüsselantigen Insulin über die Nasenschleimhaut solle die Bildung von insulinspezifischen regulatorischen T-Zellen angeregt und so eine mögliche Autoimmunantwort kontrolliert werden.

 

Dass diese Methode zum Aufbau einer regulatorischen Immunantwort über die Schleimhäute funktionieren könnte, lassen Ergebnisse einer Studie mit oralem Insulin vermuten. Hier wurde das Insulin dem Immunsystem über die Magen-Darm-Schleimhaut präsentiert.

 

Möglicherweise kann intranasales Insulin das Immunsystem noch effektiver beeinflussen. «In bisherigen Studien mit intranasalem Insulin wurden Kinder erst damit behandelt, wenn der Autoimmunprozess bereits sehr weit fortgeschritten war», so Professor Dr. Anette-G. Ziegler, Direktorin des Instituts für Diabetesforschung. Man rechne sich größere Erfolgschancen aus, wenn die präventive Behandlung zu einem früheren Zeitpunkt erfolgt, idealerweise bereits, bevor der Autoimmunprozess aktiviert wurde.

 

In der PINIT-Studie werden Kinder behandelt, die ein hohes Erkrankungsrisiko aufweisen, jedoch noch keinen Autoimmunprozess entwickelt haben. Teilnehmen können Kinder im Alter zwischen einem und sieben Jahren, unabhängig davon, ob sie einen Verwandten mit Typ-1-Diabetes haben oder nicht. Die Behandlungsdauer beträgt sechs Monate. (ss)

 

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08.05.2018 l PZ

Foto: PINIT-Studie