Piperacillin: Lieferengpass gemeistert, Geld gespart |

Der weltweite Lieferengpass für das Reserveantibiotikum Piperacillin/Tazobactam sorgt seit 2016 für große Probleme – dem Universitätsklinikum Frankfurt am Main gelang es jedoch, die Behandlung seiner Patienten zu sichern und trotz stark angestiegener Preise für das unverzichtbare Medikament sogar noch Geld zu sparen. Das berichtet jetzt ein interdisziplinäres Team der Klinik in der «Deutschen Medizinischen Wochenzeitschrift». Das Antibiotic-Stewardship-Team des Uniklinikums veranlasste einen restriktiven Einsatz des Antibiotikums und empfahl alternative Antibiotikatherapien. Wie sich das auf den Antibiotikaeinsatz insgesamt, die Behandlungserfolge und die Kosten ausgewirkt hat, wurde jetzt in einer Studie veröffentlicht.
Ursprünglich wurde das Antibiotikum an der Klinik mit rund 1300 Betten etwa 5400 mal pro Monat eingesetzt. Durch den Lieferengpass stand nur noch etwa ein Drittel der benötigten Menge zur Verfügung. Die Klinikärzte durften Piperacillin/Tazobactam daraufhin nur noch auf Sonderrezept verordnen. Das Reserverantibiotikum wurde fast nur noch bei nosokomialen Infektionen sowie bei Fieber und Neutropenie bei Kindern unter Chemotherapie eingesetzt.
Laut Studie wurde klinikweit der Verbrauch von Piperacillin/Tazobactam bereits innerhalb einer Woche um 71 Prozent reduziert. Alternativ wurden öfter Ceftazidim, Imipenem/Cilastatin, Meropenem, Ceftriaxon, Levofloxacin, Ciprofloxacin sowie Ampicillin/Sulbactam eingesetzt. Der Effekt hielt an, auch als die Restriktionen wieder gelockert wurden. Insgesamt sank der Antibiotikaverbrauch um 5,8 Prozent, die Kosten sanken sogar um 13 Prozent bei moderat angestiegenen Personalkosten.
Nachteile für die Patienten haben sich im Rahmen der Maßnahmen demnach nicht ergeben. Obwohl öfter Breitbandantibiotika eingesetzt wurden, blieb laut dem Hauptautor und Infektiologen Professor Dr. Christoph Stephan der befürchtete Anstieg von Darminfektionen mit Clostridium difficile aus. Er vermutet, dass dies auf den «insgesamt überlegten und maßvollen Einsatz der Antibiotika» zurückzuführen ist. Auch die Sepsis-Rate stieg nicht an, wie zuvor befürchtet. «Bei einigen Infektionen kam es durch den überlegteren Einsatz von Antibiotika sogar zu einem leichten Rückgang», berichten die Autoren.
Hintergrund des Engpasses: Im Oktober 2016 gab es in einer ostchinesischen Arzneistofffabrik eine Explosion. Danach kam es weltweit zu einem Engpass eines Grundstoffs, der für die Herstellung des b-Lactam-Antibiotikums Piperacillin/Tazobactam benötigt wird. Die Preise stiegen daraufhin um 67 Prozent an. Da es auch bei anderen wichtigen Medikamenten immer häufiger zu Lieferengpässen kommt, rechnet Stephan damit, dass in Zukunft häufiger Notfallpläne notwendig sein werden. Die Ursachen sieht der Infektiologe in der zunehmenden Verlagerung der Produktion in Niedriglohnländer sowie in der Konzentration der Herstellung auf wenige Standorte. Bei plötzlichen Produktionsschwierigkeiten wie 2016 in China fehlen dann alternative Anbieter.
«Lieferengpässe untergraben die Ziele des Antibiotic-Stewardship durch erzwungenen Einsatz von Breitspektrum-Antibiotika, bedrohen potenziell die Patientensicherheit und erfordern ein Ausfallmanagement nach mikrobiologisch-infektiologisch sinnvollen Kriterien», lautet das Fazit der Autoren, darunter auch Nils Keiner von der Krankenhausapotheke des Uniklinikums. Dies erfordere zwar einen erhöhten Personalaufwand, helfe jedoch, Mehrkosten für Arzneimittel zu vermeiden. (dh)
DOI: 10.1055/s-0043-122706
04.05.2018 l PZ
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