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Neue Medikamente: EU-weit bewerten, national einstufen

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Arzneimittel sollten EU-weit einheitlich auf ihren Nutzen hin untersucht werden, die Einstufung und Preisgestaltung jedoch den einzelnen Mitgliedsstaaten überlassen werden. Das hat der gesundheitspolitische Sprecher der Fraktion der Europäischen Volkspartei (EVP) im EU-Parlament, Peter Liese (CDU), gefordert.

 

Liese reagierte damit auf die anhaltende Kritik am Plan der EU-Kommission, den Nutzen neuer Medikamente künftig auf europäischer Ebene zu untersuchen. In Deutschland lehnen Bund und Länder den Vorschlag ab, da sie ein Aufweichen deutscher Standards befürchten. Auch Ärzte und Krankenkassen sind dagegen. Diese Sorge nannte der EU-Parlamentarier berechtigt. Auch er wolle «keine britischen Standards im deutschen Gesundheitswesen», erklärte er. Deshalb müsse man die medizinische Bewertung von der Entscheidung über den Zusatznutzen trennen. Klinische Daten sollten auf EU-Ebene einheitlich erhoben und bewertet werden, schlug Liese vor.

 

Diese Aufgabe liegt in Deutschland momentan beim Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Wie groß der Mehrwert eines so geprüften Arzneimittels ist, sollten die Mitgliedsstaaten dagegen weiterhin selbstbestimmen. In Deutschland entscheidet der Gemeinsame Bundesausschuss über den Zusatznutzen eines Arzneimittels. Seine Bewertung ist anschließend Ausgangspunkt für die Preisverhandlungen zwischen Hersteller und Kassen. Beide Bereiche müssten juristisch sauber getrennt werden, erklärte Liese.

 

Außerdem stellte Liese ein Strategiepapier der EVP zur europaweiten Bekämpfung von Krebserkrankungen vor. Die Fraktion fordert, die EU-Ausgaben für die Krebsforschung bis zum Jahr 2024 von derzeit jährlich 200 Millionen Euro auf 400 Millionen Euro zu verdoppeln. Das Budget für Forschung an Krebs bei Kindern solle sogar verzehnfacht werden. (ap)

 

15.05.2018 l PZ

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