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Friseur mal anders: Waschen, Schneiden, Blutdruck messen

Apotheker sollten sich vielleicht schon einmal umschauen, wo sich der nächstgelegene Friseursalon befindet. Die Deutsche Hochdruckliga kann sich nämlich vorstellen, dass Apotheker Kunden in entspannter Atmosphäre beim Friseur den Blutdruck messen und über die Gefahren der Hypertonie aufklären. Was sich nach einer verspäteten Aprilscherz-Meldung anhört, ist durchaus ernst gemeint. Grundlage sind die im «New England Journal of Medicine» veröffentlichten Ergebnisse einer US-amerikanischen Studie.

Das Autorenteam um Professor Dr. Ronald G. Victor vom Smidt Heart Institute in Los Angeles hatte in 52 Friseursalons 319 afroamerikanische Männer kontaktiert, bei denen der obere systolische Blutdruckwert zu Beginn im Durchschnitt über 150 mmHg lag und die deshalb ein hohes Risiko für einen Herzinfarkt und einen Schlaganfall hatten. Sie bildeten zwei Gruppen: In der einen sprachen die Friseure mit den Männern über Bluthochdruck und motivierten zu einem Gespräch mit einem Apotheker, der einmal monatlich in den Salon kam, um zu informieren und den Blutdruck zu messen. Die Apotheker hatten zudem von Hausärzten die Erlaubnis erhalten, in bestimmten Umfang Medikamente zur Blutdruckeinstellung an die Männer abzugeben. In der Kontrollgruppe sprachen nur die Friseure mit den Männern über den Blutdruck und rieten zu einem Arztbesuch.

Primärer Endpunkt war die Senkung des systolischen Blutdrucks nach sechs Monaten. Innerhalb dieses Zeitraums sank der systolische Druck in der Interventionsgruppe von durchschnittlich 152,8 mmHg auf durchschnittlich 125,8 mmHg. 63,6 Prozent der Männer dieser Gruppe erreichten Zielwerte unter 130/80 mmHg. In der Kontrollgruppe sah man auch Verbesserungen, aber diese waren längst nicht so gut wie in der anderen Gruppe. Der systolische Wert sank von durchschnittlich 154,6 mmHg auf 145,4 mmHg im Mittel und nur 11,7 Prozent der Teilnehmer erreichten einen Blutdruck unter 130/80 mmHg.

Für den Marburger Nephrologen Professor Dr. Joachim Hoyer belegt die Studie, wie wichtig es ist, die Patienten in ihrer gewohnten Umgebung auf die Risiken des Bluthochdrucks anzusprechen und einen niedrigschwelligen Zugang zur Blutdruckkontrolle zu ermöglichen. «Durch das Gespräch mit dem Friseur wird der Bluthochdruck zu einem Thema im Alltag und die Betreuung durch den Apotheker hat sicherlich die Bereitschaft gefördert, den Blutdruck regelmäßig zu kontrollieren und die Medikamente einzunehmen, obwohl man sich eigentlich gesund fühlt», so der Mediziner.

Auch hierzulande gebe es Betroffene, die nichts von ihrem Bluthochdruck wissen und selten zum Hausarzt gehen. «Häufiger kommen viele jedoch an einer Apotheke vorbei oder sind beim Betriebsmediziner», so Hoyer. «Diese Kontakte sollten für eine vermehrte Aufklärung über die Gefahren von unerkanntem Bluthochdruck und seiner möglichen Behandlung durch einen Arzt genutzt werden.» Eins zu eins umsetzen, lässt sich das US-Konzept aber bislang nicht. Anders als in den USA dürfen Apotheker in Deutschland zwar den Blutdruck messen, aber eigenständig keine Blutdruckmedikamente ausgeben. (dr/ss)

DOI: 10.1056/NEJMoa1717250

 

12.04.2018 l PZ

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