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Becker: Komplementärarzneimittel brauchen Apothekenpflicht

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Komplementärmedizinische Arzneimittel wie Phytopharmaka, Homöopathika und anthroposophische Arzneimittel gehören aus Sicht von Fritz Becker, Vorsitzender des Landesapothekerverbands Baden-Württemberg, ausschließlich in die Apotheke. «Mir ist wichtig, dass diese Produkte in der Apothekenpflicht bleiben, denn sie benötigen die kompetente Beratung aus der Apotheke», sagte Becker in einem Kurzvortrag bei einer Sitzung des Ausschusses für Soziales und Integration des baden-württembergischen Landtages vergangene Woche in Stuttgart.

«Wir als Fachleute für pharmazeutische Fragestellungen können dann gegebenenfalls auch sehen, wenn ein Patient vielleicht eine andere Medikation benötigt», betonte Becker. «In unserer Beratung können wir hier steuernd mitwirken.» So schütze die Apothekenpflicht den Patienten und stelle einen wichtigen Baustein aktiven Verbraucherschutzes dar. Um dieser Verantwortung gerecht zu werden, würden sich die Apotheker auch in diesem Bereich kontinuierlich fortbilden. Er verwies auf jährlich bundesweit etwa 2.100 abgeschlossene Weiterbildungen im Bereich Naturheilverfahren und Homöopathie unter den Pharmazeuten.

Komplementärmedizin sei ein wichtiger Wirtschaftsfaktor, sowohl für das Land Baden-Württemberg als auch für die Apotheken. Im südwestlichen Bundesland sei die Produktion pflanzlicher und homöopathischer Arzneimittel mit mehr als 30 entsprechend tätigen Pharmaunternehmen tief verwurzelt. Derzeit seien mehr als 7.500 Arzneimittel der sogenannten «Besonderen Therapierichtungen» im Verkehr.

«Wir niedergelassene Apotheken generieren mehr als 30 Prozent des Umsatzes im OTC-Segment über Homöopathika, Phytopharmaka und Antroposophika, weil sie in den Apotheken von den Patienten stark nachgefragt werden», erklärte Becker. Damit stamme durchschnittlich jede fünfte Packung im nicht verschreibungspflichtigen Segment aus der Komplementärmedizin. Rund 21 Millionen Mal pro Jahr verordneten Ärzte bundesweit ein pflanzliches Arzneimittel auf einem grünen Rezept. «Das bedeutet, dass 42 Prozent dieser ärztlichen Empfehlungen auf einem grünen Rezept in die Apotheke kamen», so Becker. (dh)

 

23.04.2018 l PZ

Foto: Fotolia/Gerhard Seybert