Stickoxid: Umweltbehörde spricht Warnung aus |

Die Stickoxid-Belastung in Deutschland ist einer Untersuchung des Umweltbundesamts (UBA) zufolge die Ursache für Krankheiten von Millionen Menschen und für Tausende vorzeitige Tode. 2014 starben demnach 6000 Menschen vorzeitig an Herz-Kreislauf-Krankheiten, die auf die Langzeitbelastung mit Stickstoffdioxid zurückzuführen seien.
Stickstoffoxide, oder kürzer Stickoxide, ist eine Sammelbezeichnung für Verbindungen von Stickstoff (N) mit Sauerstoff (O2). Abgekürzt werden sie NOx. Meistens geht es in der Diesel-Debatte um Stickstoffdioxid, also NO2. Stickstoffmonoxid (NO) ist weniger schädlich als NO2, allerdings in höherer Konzentration auch nicht harmlos. Die Gase entstehen überall, wo Kohle, Öl, Gas oder Holz verbrannt werden. In Städten kommen dem UBA zufolge 60 Prozent der Stickoxide vom Verkehr. Benziner haben damit so gut wie kein Problem, Stickoxid-Emissionen sind ein Diesel-Thema.
NO2 ist ein ätzendes Reizgas, das als Oxidationsmittel im Körper chemische Reaktionen an verschiedenen Stellen auslöst, etwa in den Augen und den Atemwegen. Gesunde Menschen merken davon meistens nichts. Ein akutes Problem ist NO2 aber für vorgeschädigte Menschen, etwa Asthmatiker oder Herz-Kreislauf-Kranke. Als Risikogruppe gelten auch Kinder, deren Atemwege sich ja noch entwickeln. Dabei gelangt NO2 hauptsächlich beim Atmen in den Körper und dringt bis zur Lunge vor, da es kaum wasserlöslich ist. Dort kann es Zellen angreifen und Entzündungsprozesse auslösen. Das Gas kann die Bronchien überempfindlich machen und das Risiko für Allergien und chronische Krankheiten erhöhen.
Wie UBA-Präsidentin Maria Krautzberger heute mitteilte, war das Gas in dem Jahr für 8 Prozent der Typ-2-Diabetes- und 14 Prozent der Asthma-Erkrankungen verantwortlich. Insgesamt seien in Deutschland rund eine Million Krankheitsfälle auf Stickoxid in der Außenluft zurückführen.
Die Zahlen belegten, dass an stark belasteten Orten mehr Menschen an den Folgen von NO2 erkrankten, sagte Krautzberger. «Die Ergebnisse, die wir vorstellen, sind die Untergrenze», betonte sie, die Zahlen lägen wohl höher. «Es muss uns gelingen, in den nächsten Jahren zumindest im ersten Schritt die Grenzwerte einzuhalten und dann vielleicht auch noch weiter nach unten zu kommen.» Da in Dutzenden deutschen Städten die EU-Grenzwerte für NO2 überschritten werden, diskutiert die Politik derzeit über Diesel-Fahrverbote und Nachrüstungen der Abgasreinigung.
Aus Sicht des UBA ist die Sterblichkeit aufgrund von Herz-Kreislauf-Erkrankungen für NO2 durch viele Studien mit übereinstimmenden Ergebnissen belegt. Im Rahmen epidemiologischer Studien werden Personen mit einer hohen NO2-Belastung mit Personen verglichen, die einer niedrigeren Konzentration ausgesetzt sind.
Stickoxid kann auch Pflanzen schaden, allerdings nur in direkter Nähe von Stickstoffdioxid-Quellen. Blätter können sich gelb färben, das Wachstum behindert werden oder die Pflanzen vorzeitig altern. Zudem trägt Stickstoffdioxid zur Überdüngung und Versauerung von Böden und in geringem Maße auch von Gewässern bei, wie das UBA schreibt.
Dennoch ist die Luft insgesamt sauberer als noch vor einigen Jahren. Insgesamt sind die NOx-Emissionen laut UBA von 1990 bis 2016 von rund 2,9 Millionen Tonnen pro Jahr auf knapp 1,2 Millionen Tonnen zurückgegangen. Der Verkehr hat dazu am meisten beigetragen. Er stößt heute deutschlandweit um 67 Prozent weniger NOx aus als 1990. An den Gesundheitsgefahren der Gase ändert das aber nichts.
08.03.2018 l PZ/dpa
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