Pharmazeutische Zeitung online

Herzinsuffizienz: ASS unnötig

Die Thromboseprophylaxe mit niedrig dosierter Acetylsalicylsäure (ASS) bei Herzinsuffizienz ist zwar weit verbreitet, bringt einer aktuellen Studie zufolge aber keinen Vorteil für den Patienten. Im Gegenteil: Die Studie, bei der Patienten mit Herzinsuffizienz (HI), aber ohne Vorhofflimmern anhand dänischer Registerdaten ausgewertet wurden, zeigte sogar, dass ASS in niedriger Dosierung mit häufigeren Herzinfarkten sowie Wiedereinweisungen ins Krankenhaus aufgrund von HI assoziiert war. Alles in allem spricht die Arbeit von Dr. Christian Madelaire vom Gentofte Universitätsklinikum in Kopenhagen und Kollegen im Fachjournal «JACC Heart Failure» also gegen den Einsatz von Niedrigdosis-ASS bei HI.

Für die Studie wurden 3840 Patienten berücksichtigt, die nicht an Vorhofflimmern litten, zwischen 2007 und 2012 in Dänemark neu mit HI diagnostiziert worden waren und anschließend mit 75 oder 150 mg ASS täglich behandelt wurden. Diese Gruppe wurde mit ebenso vielen Patienten mit denselben Merkmalen, aber ohne ASS-Gebrauch verglichen. Der primäre Endpunkt setzte sich zusammen aus der Gesamtmortalität, Herzinfarkt und Schlaganfall. Er wurde in beiden Gruppen gleich häufig erreicht. Die Anwendung von ASS war jedoch mit einem erhöhten Herzinfarkt-Risiko verbunden (Hazard Ratio: 1,34) sowie einer höheren Wahrscheinlichkeit, aufgrund von HI erneut ins Krankenhaus zu kommen (HR: 1,25). Blutungen traten unter ASS dagegen nicht häufiger auf.

Das Ergebnis stellt die Anwendung von ASS bei HI-Patienten ohne Vorhofflimmern infrage, fassen die Autoren zusammen. Sie fordern zur weiteren Abklärung der Vor- beziehungsweise Nachteile eine prospektive, randomisierte Studie. (am)

DOI: 10.1016/j.jchf.2017.09.021

 

09.03.2018 l PZ

Foto: Fotolia/LumineImage