Pharmazeutische Zeitung online Avoxa
whatsApp instagram facebook bluesky linkedin xign

Frauen und Schlaganfall: Das sind die Risikofaktoren

 

55 Prozent der Patienten mit Schlaganfall sind Frauen. Darauf macht die Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft (DSG) kurz vor dem Internationalen Frauentag am 8. März aufmerksam und empfiehlt allen Frauen, ihre Risikofaktoren zu überprüfen und gezielt vorzubeugen. Vor allem die Sexualhormone spielen bei Frauen hier eine entscheidende Rolle, aber auch Übergewicht, Diabetes, Vorhofflimmern, Bewegungsmangel und Bluthochdruck sind wichtige Risikofaktoren.

 

Bei Frauen mittleren Alters ist Hypertonie eine der häufigsten Ursachen für einen Schlaganfall. Daher sollten sie ihren Blutdruck mindestens zweimal pro Jahr kontrollieren lassen, rät Professor Dr. Wolf-Rüdiger Schäbitz, Pressesprecher der DSG. «Wenn er chronisch erhöht ist und sich durch eine Änderung des Lebensstils – etwa durch Abnehmen und durch regelmäßige Bewegung – nicht verbessert, sollten blutdrucksenkende Mittel eingenommen werden.»

Frauen leiden der DSG zufolge viel häufiger unter Herz-Rhythmus-Störungen als Männer. Nach den Wechseljahren kommt bei einigen Frauen Vorhofflimmern als zusätzlicher, großer Risikofaktor hinzu. Das muss konsequent behandelt werden, so Schäbitz. So lasse sich das Schlaganfallrisiko um bis zu 70 Prozent senken.

Noch ein Geschlechter-Unterschied: Frauen mit Diabetes haben ein um 27 Prozent erhöhtes Schlaganfallrisiko gegenüber Männern mit der Stoffwechselerkrankung. Zudem sei die Schwere von Schlaganfällen bei Diabetes-Patientinnen deutlich ausgeprägter, betont die DSG. Daher ist auch hier eine frühe Diagnose und Behandlung wichtig.

Auch bei jungen Frauen kann das Schlaganfallrisiko erhöht sein, unter anderem durch hormonelle Kontrazeptiva. «Das Risiko ist mit den neueren Präparaten, die weniger Estrogene enthalten, geringer geworden, es bleibt jedoch immer noch erhöht», sagt Professor Dr. Armin Grau, Erster Vorsitzender der DSG. Es steigt mit zusätzlichen Risikofaktoren wie Übergewicht, Fettstoffwechselstörungen und Rauchen deutlich an – ebenso, wenn die Anwenderin unter Migräne mit Aura leidet. In dieser Kombination haben Frauen ein siebenfach erhöhtes Schlaganfallrisiko gegenüber Frauen ohne hormonelle Verhütung und Migräne. Kommt Rauchen noch hinzu, steigt das Risiko sogar insgesamt um den Faktor zehn an. Grau rät Frauen, die unter Migräne mit Aura leiden, keine Antibabypille einzunehmen und auf keinen Fall zu rauchen. Ebenso sollten Frauen mit familiärer Schlaganfall-Belastung sich zu alternativen Verhütungsmethoden beraten lassen.

Zudem erhöht eine Schwangerschaft das Schlaganfallrisiko. Die Inzidenz liegt bei etwa 30 von 100.000 Frauen. Das Risiko ist dann besonders groß, wenn in der Schwangerschaft typische Risikofaktoren wie Übergewicht und Bluthochdruck hinzukommen. Am besten werden diese bei Kinderwunsch bereits vor der Empfängnis minimiert. «Manchmal kann es schon vor einer Schwangerschaft sinnvoll sein, Medikamente einzunehmen, um einer Schwangerschaftsvergiftung – einer sogenannten Präeklampsie – vorzubeugen», sagt Schäbitz. Bei Frauen, die bereits an einer Präeklampsie erkrankt waren, ist das Risiko für einen Schlaganfall noch höher als bei solchen mit den typischen Risikofaktoren. (dh)

06.03.2018 l PZ

Foto: Fotolia/Elnur