Ernährung: Fachverbände fordern Softdrink-Steuer |

Eine Initiative medizinischer Fachgesellschaften hat erneut eine Softdrink-Steuer in Deutschland gefordert. Die 2010 gegründete Deutsche Allianz Nichtübertragbare Krankheiten (DANK) verlangt eine solche Steuer, um Übergewicht und die damit verbundenen Folgeerkrankungen zu verhindern, vor allem bei Kindern und Jugendlichen.
Anlass ist eine Gesetzesänderung in Großbritannien: Mit dem Vereinigten Königreich führt nach Frankreich demnächst der zweite europäische Staat eine Softdrink-Steuer ein. Ab dem 6. April kostet ein Liter eines gesüßten Getränks dort 18 Pence (20 Cent) zusätzlich, wenn es mehr als 5 Gramm Zucker pro 100 Gramm Flüssigkeit enthält. Sind es mehr als 8 Gramm Zucker, müssen Käufer sogar 28 Pence (32 Cent) mehr zahlen.
Die DANK will nun auch in Deutschland eine höhere Mehrwertsteuer auf gesüßte Getränke und fordert 29 statt der gängigen 19 Prozent. «Wir dürfen nicht weiter zusehen, wie durch überzuckerte Produkte die Gesundheit unserer Kinder gefährdet wird», sagte der Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin Burkhard Rodeck. Der DANK gehören neben Ärzte- und Pädiaterverbänden auch Diabetes-, Herzgesundheits- und Krebsverbände an.
Der Initiative zufolge trinken 11- bis 17-jährige Kinder in Deutschland im Schnitt mehr als 300 Milliliter Cola, Fanta oder ähnliche Getränke täglich. Das entspricht 30 Gramm Zucker – etwa so viel, wie in zwei Handvoll Gummibärchen enthalten ist. «Mit Appellen an die Eltern ist dieser Trend nicht aufzuhalten», erklärte Rodeck. Auch Projekte in Schulen oder Kitas reichten nicht aus. «Hier ist die Politik gefordert», so der Mediziner.
Die Forderung nach einer Zuckersteuer in Deutschland ist nicht neu. Schon mehrfach haben Organisationen verlangt, die Mehrwertsteuersätze auf Softdrinks und Fertiggerichte anzuheben, Obst und Gemüse dagegen von der Mehrwertsteuer zu befreien. Bislang waren die Vorschläge in der Politik jedoch stets mit Verweis auf die Bürgermündigkeit gescheitert. Die DANK-Experten können das nicht verstehen. Alle Beispiele zeigten, dass eine solche Besteuerung erfolgreich sei, erklären sie. In Kalifornien etwa wurden nach Einführung einer solchen Steuer 21 Prozent weniger Softdrinks verkauft. In Großbritannien haben bereits jetzt mehrere Hersteller den Zuckergehalt ihrer Produkte vorbeugend gesenkt.
Die Bundesregierung habe im Koalitionsvertrag angekündigt, etwas gegen Übergewicht bei Kindern und Jugendlichen zu tun, sagte DANK-Sprecherin Barbara Blitzer. Das sei aber nur durch steuerliche Maßnahmen gegen den hohen Softdrink-Konsum möglich. Allerdings haben auch hierzulande die wiederholten Forderungen nach einer Zuckersteuer bereits für ein Umdenken gesorgt: Mehrere deutsche Lebensmittel-Konzerne haben im vergangenen Jahr angekündigt, den Zuckergehalt ihrer Produkte zu senken. (ap)
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27.03.2018 l PZ
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