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Abführmittel: Den richtigen Einnahmezeitpunkt wählen

Der Biorhythmus beeinflusst in starkem Ausmaß die Darmtätigkeit – das sollte bei der Anwendung von Arzneistoffen berücksichtigt werden. Darauf wies heute der Gastroenterologe Professor Dr. Joachim Erckenbrecht, ehemaliger Chefarzt der Klinik für Innere Medizin am Florence-Nightingale-Krankenhaus in Düsseldorf, bei einer Pressekonferenz von Sanofi-Aventis in Hamburg hin. So ist während der Nacht die Darmtätigkeit stark reduziert. Am Morgen dagegen steigt hormonell bedingt die Peristaltik stark an. Daher haben viele Menschen häufig am Morgen Stuhlgang. Gegen Mittag flacht die Kurve wieder ab, um am Nachmittag noch einmal etwas anzusteigen, bevor sie zur Nacht abflacht.

 

Bei der Beratung zur Laxanzien-Einnahme sollten Apotheker und PTA daher den geeigneten Zeitpunkt für die Arzneimittel-Anwendung nennen. So tritt die Wirkung von Natrium-Picosulfat als Tropfen oder Tabletten erst nach zehn bis zwölf Stunden ein. Dementsprechend sollte das Präparat abends eingenommen werden, damit der Effekt nach dem Aufstehen eintritt. «So lässt sich auch die Dosis auf ein Minimum reduzieren», erklärte Erckenbrecht. Bisacodyl wirkt in oraler Form nach sechs bis zwölf Stunden und sollte erst direkt vor dem Schlafengehen eingenommen werden. Als Suppositorium wirkt es dagegen bereits 15 bis 30 Minuten nach der Applikation. Daher sollte es in rektaler Form direkt vor einer Mahlzeit, bevorzugt Frühstück oder Mittagessen, appliziert werden.

 

Beide Arzneistoffe sind gut verträglich und laut Leitlinie Mittel der Wahl bei chronischer Verstopfung, wenn eine erhöhte Ballaststoffzufuhr und Trinkmenge sowie Bewegung nicht ausreichend helfen; ebenso Macrogol. Bei letzterem tritt die Wirkung nach zwölf bis 48 Stunden ein und ist abhängig von Dosis und Präparat. Lactulose und andere Zuckerstoffe gelten als Mittel zweiter Wahl, da sie häufig zu Blähungen führen. Der Wirkeintritt ist variabel und liegt (auch dosisabhängig) bei zwei bis 48 Stunden. Anthrachinone sind eher zurückhaltend einzusetzen. Sie wirken in der Regel nach acht bis zwölf Stunden und sollten daher ebenfalls abends eingenommen werden. Reichen diese Maßnahmen nicht aus, kommen Kombinationstherapien, Prucaloprid, Opioid-Antagonisten und Klysmen sowie Darmspülungen oder eine Operation in Betracht.

 

Laut Erckenbrecht lässt sich die chronische Obstipation nur wenig durch Ernährungs- und Lebensstil beeinflussen. Sie reduziere jedoch die Lebensqualität der Betroffenen und sei mit einem erhöhten Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen, einem veränderten Darmmikrobiom und einer übermäßigen Stimulation des Immunsystems assoziiert. Daher sei eine rechtzeitige, effektive Behandlung wichtig, so der Gastroenterologe. (dh)

 

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01.03.2018 l PZ

Foto: Fotolia/Adiano