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Zufallsentdeckung: Kinasehemmer wirkt gegen Herpes

US-amerikanische Wissenschaftler haben durch Zufall ein mögliches neues Breitspektrum-Virostatikum entdeckt. Bei der Untersuchung der molekularen Abläufe der Herpes-Infektion des Auges stellte die Gruppe um Dinesh Jaishankar von der University of Illinois in Chicago fest, dass der verwendete Kinasehemmer BX795 genau den gegenteiligen des erwarteten Effekts hatte. Da BX795 die Interferon-vermittelte antivirale Immunantwort hemmt, hätte es eigentlich die Virusinfektion befördern müssen. Stattdessen unterdrückte es sie, wie die Forscher im Fachjournal «Science Translational Medicine» berichten.

BX795 ist ein experimentell eingesetzter Wirkstoff, ein Inhibitor der TANK-bindenden Kinase 1 (TBK1), die unter anderem an der Freisetzung von Interferon beteiligt ist. Die beobachtete antivirale Aktivität kommt jedoch über einen anderen Mechanismus zustande, wie die Forscher aufklären konnten: BX795 blockiert in Virus-infizierten Zellen die Phosphorylierung der Serin/Threonin-Kinase Akt und verhindert so die Synthese von Virusproteinen. Die erforderlichen Konzentrationen sind deutlich geringer als bei herkömmlichen Virostatika, beispielsweise Aciclovir, berichtet Seniorautor Professor Dr. Deepak Shukla in einer Pressemitteilung der Universität: «BX795 führte bereits in fünffach niedrigeren Konzentrationen als die heute verfügbaren Nukleosidanaloga zur Virus-Clearance.»

Weil der Angriffspunkt von BX795 von vielen Viren genutzt wird, glauben die Forscher, dass die Substanz auch gegen andere virale Erreger, darunter HIV, wirksam sein könnte. Bislang wurde die Wirksamkeit jedoch erst in Zellkultur, in isolierten menschlichen und tierischen Hornhäuten sowie in Mäusen gezeigt. Die Toxizität war gering, sodass mit baldigen klinischen Untersuchungen zu rechnen ist. (am)

DOI: 10.1126/scitranslmed.aan5861

 

15.02.2018 l PZ

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