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Studie: Wortwahl kann Depression entlarven

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Einer neuen Studie zufolge kann sich eine Depression durch die Sprache der Betroffenen bemerkbar machen. Wie eine Computer-Analyse offenbarte, gibt es eindeutige sprachliche Unterschiede zwischen Menschen mit und ohne Depression. Dies berichten die Forscher der University of Reading in Großbritannien im Fachjournal «Clinical Psychological Science».

 

So benutzten depressive Menschen erwartungsgemäß häufig Worte, mit denen sie negative Gefühle ausdrückten, insbesondere Adjektive wie «einsam», «traurig» oder «miserabel». Interessanter sei zudem die Nutzung von Pronomen. Menschen mit einer Depression verwenden den Forschern zufolge deutlich häufiger Pronomen in der ersten Person Singular, also «mein», «mir», «mich» oder «ich», und deutlich weniger Pronomen in der zweiten oder dritten Person wie «sie», «ihr» oder «ihnen». Dies deute darauf hin, dass depressive Personen mehr auf sich selbst fokussiert seien, so Studienautor Mohammed Al-Mosaiwi von der University of Reading in Großbritannien. Um eine Depression zu identifizieren, seien Pronomen noch verlässlicher als negative Worte, so der Psychologe.

 

Die Auswertung von mehr als 6000 Beiträgen aus einschlägigen Onlineforen zur psychischen Gesundheit ergab darüber hinaus, dass neben dem Inhalt auch Unterschiede beim Stil existierten. So nutzten Depressive sehr häufig Formulierungen, die absolute Größenordnungen ausdrückten, wie «immer», «nie» oder «vollständig». Dies deute den Forschern zufolge darauf hin, dass Menschen mit einer Depression eher in Schwarz-Weiß-Kategorien denken und sich dies in ihrem Sprachstil niederschlägt. Ein Vergleich mit 19 anderen Foren zum Thema Schwangerschaft und Studium zeigte, dass in Foren, in denen es um Ängste und Depressionen ging, solche Wörter etwa 50 Prozent häufiger benutzt wurden. In Foren, in denen es um Selbstmordgedanken ging, nutzten die Betroffenen die Wörter sogar etwa 80 Prozent häufiger.

 

Den Autoren war laut eigenen Angaben bewusst, dass Internetforen als Datenquelle mit Vorsicht zu betrachten sind. In Foren etabliere sich oft ein gemeinsamer Sprachstil. Im Rahmen einer prospektiven Langzeitstudie, die den Sprachgebrauch vieler Patienten über größere Zeiträume direkt beobachte, sehen die Autoren der Studie jedoch eine weitere Möglichkeit sein, Depressionen zu erkennen. Auch bestätige sich mit der Studie ein neuer Trend, der besage, dass es bei der Bewältigung einer Depression nicht zwangsläufig darum gehe, Dinge positiv zu sehen. Etwas realistisch, also beispielsweise als «sehr schwierig» statt «aussichtslos» zu betrachten, sei schon ein großer Schritt. (hh/ke)

  

DOI: 10.1177/2167702617747074

 

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08.02.2018 l PZ/Aponet

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