Pharmazeutische Zeitung Online
AMK

Brandenburg: Apotheken verkaufen Notfalldose für Senioren

Datenschutz bei der PZ

Sie spart Zeit und kann im Ernstfall Leben retten: Eine Notfalldose mit den wichtigsten Angaben zu einem Patienten erleichtert Sanitätern und Notärzten die Arbeit. Fester Standort: Der Kühlschrank. In Brandenburg wird die kleine grün-weiße Plastikdose jetzt vermehrt von Apotheken für wenige Euro verkauft. Darin sollen Dokumente wie  Impfpass und Medikamentenplan aufbewahrt werden. Dazu kommt ein Informationsblatt mit Angaben zu Allergien, Vorerkrankungen, Versicherungsnummer, Hausarzt und Kontaktdaten von Angehörigen.

 

Im Sozialamt des Landkreises in Beeskow, Fürstenwalde, Eisenhüttenstadt und Erkner sind die Dosen inzwischen zu bekommen, ebenso in der Fahrbibliothek Oder-Spree – und auch viele Apotheken machen mit. «Da geht jeder irgendwann mal hin, so erreicht die Dose den Nutzer am besten», sagt Hans-Christian Karbe, Vorsitzender des Kreisseniorenbeirates Oder-Spree, der sich seit dem Herbst für die kleine Dose stark macht. In der Rathaus-Apotheke Fürstenwalde stehen die grün-weißen Behälter seit Januar neben einem großen Infoblatt direkt auf dem HV-Tisch. «Alle Apotheken der Stadt hatten Anfang des Jahres eine Sammelbestellung gemacht, denn im Sinne der Patientensicherheit ist die Notfalldose richtig», sagt Apothekerin Ulrike Fitzke, die täglich mehrere davon zum Stückpreis von zwei Euro verkauft. «Ich bin überzeugt, dass sich dieses Hilfsmittel in der Bevölkerung durchsetzt», ergänzt sie. Kreisseniorenchef Karbe schätzt, dass im Landkreis Oder-Spree bereits rund 2000 Notfalldosen in den Kühlschränken stehen.

 

Zwar enthält die Dose kein wärmeempfindliches Material. Der Kühlschrank gilt aber als leicht zugänglich und darf vom Rettungspersonal im Gegensatz zu Taschen, Schränken und Schubladen auch ohne explizite Erlaubnis des Patienten geöffnet werden. Ein Aufkleber an der Innen-Eingangstür der Wohnung und am Kühlschrank mache die Retter darauf aufmerksam, wenn eine solche Dose im Kühlschrank liegt, sagt Kreissenioren-Chef Karbe. Er betont, dass inzwischen auch im Landkreis Märkisch-Oderland sowie in Frankfurt (Oder) Apotheker und Seniorenbeiräte auf die Notfalldose aufmerksam geworden seien und für sie werben.

 

«Seit ich die Dose habe fühle ich mich sicherer», sagt die allein lebende Seniorin Doris Voll. «Sollte ich mal gesundheitlich in Not geraten, finden die Retter alle Informationen ohne langes Suchen.» Voll würde die Notfalldose weiter empfehlen. Denn sie kann sich noch gut daran erinnern, dass sie vor Jahren schon einmal den Notarzt hatte rufen müssen. «Was die Mediziner einem in so einer Stress-Situation dann alles für Fragen stellen – die kann man in dem Moment gar nicht beantworten», sagt die 64-Jährige.

 

Die Idee sei grundsätzlich gut, allerdings müssten die Informationen auch stets gepflegt und auf dem neuesten Stand sein, gibt Ulrich Schwille, Leiter des Rettungsdienstes im Landkreis Oder-Spree, zu bedenken. «Wir wollen erst einmal Erfahrungen sammeln, bevor wir die Notfalldose weiter empfehlen», sagt der Mediziner. In den Notarzteinsätzen der vergangenen Wochen sei allerdings noch keine Dose bei Patienten entdeckt worden.

 

Das Brandenburger Gesundheitsministerium begrüßt Hilfsmittel wie die Notfalldose vor allem für allein lebend ältere Menschen oder auch Mütter mit kleinen Kindern. «Ärzte und Rettungskräfte können aufgrund der Informationen schnell reagieren», sagt Ministeriumssprecherin Marina Ringel. Diese wichtigen Angaben sollten jedoch auch auf der elektronischen Gesundheitskarte gespeichert sein, gibt sie zu bedenken. «Wer weiß, wann die kommt und wo die der Patient im Notfall hat», winkt dagegen Karbe ab.

 

28.02.2018 l PZ/dpa

Foto: www.notfalldose.de