ADHS: Neue Checkliste für die Guanfacin-Therapie |

Guanfacin (Intuniv®) ist ein relativ neuer Wirkstoff zur Behandlung der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS). Der Hersteller Shire hat nun behördlich genehmigtes Schulungsmaterial herausgegeben, um das Sicherheitsmanagement der Patienten vor und während der Therapie zu verbessern. So sollen vor Therapiebeginn bestimmte Fragen zu Vorerkrankungen in der Familie abgeklärt werden, um das Risiko für kardiovaskuläre, zerebrovaskuläre sowie neuropsychiatrische Nebenwirkungen zu minimieren. Körpergröße, Gewicht und BMI müssen protokolliert werden. Zudem muss auf Interaktionen mit CYP3A4- und CYP3A5-Inhibitoren sowie CYP3A4-Induktoren, QT-Zeit-verlängernde Medikamente, Antihypertensiva, Valproinsäure und Arzneimittel mit zentral dämpfender Wirkung hingewiesen werden.
Während der Auftitrierungsphase soll auf Anzeichen und Symptome von Schläfrigkeit, Sedierung, Hypotonie und Bradykardie geachtet werden. Im ersten Jahr der Therapie sollen die Patienten mindestens alle drei Monate auf diese Symptome sowie eine Gewichtszunahme überwacht werden. Gefragt wird auch nach Suizidgedanken. Danach sollen die Kontrollen alle sechs Monate erfolgen, bei Dosisanpassungen auch häufiger.
Zudem sollen die behandelnden Ärzte regelmäßig den Nutzen der Therapie mit Guanfacin bewerten. Falls eine Therapiepause erfolgen soll, dann möglichst in den Schulferien und mit Bewertung des Verhaltens des Patienten ohne medikamentöse Behandlung. Patienten oder ihre Betreuer dürfen die Therapie jedoch nicht eigenständig absetzen. Das Medikament muss gegebenenfalls ausgeschlichen werden (in Schritten von maximal 1 mg alle drei bis sieben Tage), um das Risiko für einen Anstieg der Herzfrequenz und des Blutdrucks zu minimieren. Dabei sollte der Arzt regelmäßig Blutdruck und Puls überprüfen. In sehr seltenen Fällen kam es nach abruptem Absetzen zu hypertensiven Notfällen wie einer hypertensiven Enzephalopathie.
Guanfacin ist zur Behandlung von ADHS bei Kindern und Jugendlichen im Alter von 6 bis 17 Jahren zugelassen, die für eine Behandlung mit Stimulanzien nicht infrage kommen, sie nicht vertragen oder diese in der Vergangenheit wirkungslos waren. Der Wirkstoff ist ein selektiver Agonist an postsynaptischen a2A-Rezeptoren. Er soll die Signalübertragung im präfrontalen Kortex verbessern und wirkt nicht als Stimulanz. (dh)
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31.01.2018 l PZ
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