Pharmazeutische Zeitung online

Pneumonie: Vier Zeichen für die Diagnose

Vier charakteristische Symptome zeigen relativ sicher das Vorliegen einer Lungenentzündung an. Durch den Test auf Fieber, rasselnde Atemgeräusche, erhöhten Puls und erniedrigte Sauerstoffsättigung kann eine Pneumonie von einer harmloseren Infektion der unteren Atemwege unterscheiden werden, berichten Forscher um Professor Dr. Michael Moore von der Universität Southampton im «European Respiratory Journal». Dies kann helfen, den unnötigen Einsatz von Antibiotika zu vermeiden.

Pneumonie ist eine lebensbedrohliche Erkrankung, die in der überwiegenden Mehrheit der Fälle auf Bakterien (vor allem Streptococcus pneumoniae) zurückgeht und daher den Einsatz eines Antibiotikums erfordert. Doch Lungenentzündungen sind vergleichsweise selten: Nur einer von 20 Patienten, die sich wegen Infektionen der unteren Atemwege mit Symptomen wie Husten, Keuchen und Kurzatmigkeit in einer Hausarztpraxis vorstellen, weisen eine Pneumonie auf. Die meisten leiden an einer viralen Infektion, bei der Antibiotika unwirksam sind.

 

Um einen Übergebrauch der Arzneimittel zu vermeiden, haben die britischen Forscher untersucht, welche Krankheitszeichen eine Unterscheidung erlauben. Hierfür werteten sie die Daten von mehr als 28.800 Patienten aus Hausarztpraxen, deren Symptome, Therapie und Behandlungsergebnis aus. 720 dieser Patienten erhielten im weiteren Verlauf eine Röntgenaufnahme der Brust, bei 115 von ihnen wurde eine Lungenentzündung diagnostiziert.

Die Forscher fanden heraus, dass vier Symptome bei Pneumonie-Patienten häufig vorkamen: eine Körpertemperatur höher als 37,8 °C, knisternde Atemgeräusche, ein Puls höher als 100 pro Minute und eine Sauerstoffsättigung des Blutes von unter 95 Prozent. 86 Prozent der Pneumonie-Patienten wiesen mindestens eines dieser Zeichen auf. Moore und seine Kollegen sind überzeugt, dass der Übergebrauch von Antibiotika deutlich reduziert werden könnte, wenn deren Einsatz auf Patienten mit mindestens einem dieser Zeichen beschränkt würde.

 

Sie bestätigten mit ihren Ergebnissen das bisher gültige Pneumonie-Diagnose-Konzept nach Saskia van Vugt, das neben dem Fehlen von Schnupfen, das Vorliegen von Kurzatmigkeit, Knistergeräuschen, einen Puls über 100 pro Minute und Fieber vorsieht, und ergänzten es um die verminderte Sauerstoffsättigung. Diese würde zwar nicht routinemäßig gemessen, die Untersuchung sei aber eine robuste und preiswerte Technik. (ch)

DOI: 10.1183/13993003.00434-2017

 

Mehr zum Thema Antibiotika

 

01.12.2017 l PZ

Foto: Fotolia/psdesign