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Fintelmann: «Heilen ist mehr als gesund machen»

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Die moderne technikorientierte Medizin kann zwar viele Patienten gesund machen, aber sie habe die Nähe zum Menschen verloren. «Wir müssen wieder lernen, den Menschen als Ganzes wahrzunehmen», forderte Professor Dr. Volker Fintelmann (Foto) bei der Pharmazeutischen Tafelrunde der Landesapothekerkammer Baden-Württemberg in Stuttgart. Beim Heilen sei die Zusammenarbeit von Arzt und Apotheker ganz essenziell, sagte der Gastroenterologe und Gründer der Carl-Gustav-Carus-Akademie Hamburg, die sich selbst als «Akademie für eine Erweiterung der Heilkunst» versteht.

 

Der Arzt beklagte, dass die moderne Medizin auf das «Gesundmachen» im Sinne der Wiederherstellung von Organfunktionen fokussiere. «Heilen» bedeute dagegen, auf die Ganzheit zu achten und die Krankheit als Helfer auf dem eigenen Weg zu sehen. Der Patient wünsche sich eine Medizin, die ihn als Individuum mit seinen Besonderheiten wahr- und ernstnimmt, sagte Fintelmann. Der Arzt könne beim Heilen nur assistieren, denn «der Heiler steckt in jedem Menschen selbst».

 

Er hob die Heilkraft der Pflanzen hervor. Anstatt nur auf Leitsubstanzen und Analysenergebnisse zu achten, sollte man in den Pflanzen die Natur und ihre Kräfte wiederentdecken, sagte er am Beispiel von Mariendistel, Johanniskraut oder Weißdorn. Als Heilkundige hätten die Apotheker eine zentrale Rolle in der Selbstmedikation. «Sie sind der Ratgeber, der als erstes angesprochen wird, und das macht den Beruf fröhlicher und anspruchsvoller.»

 

Bei der Pharmazeutischen Tafelrunde, einer traditionell festlichen Einladung der LAK im Advent, erhielt die langjährige Vizepräsidentin Karin Graf die Verdienstmedaille der Landesapothekerkammer. Kammerpräsident Dr. Günther Hanke würdigte ihr hohes berufspolitisches Engagement auf Landes- und Bundes- sowie auf internationaler Ebene. (bmg)

 

06.12.2017 l PZ

Foto: Möbius/LAK Baden-Württemberg